06. April

OT: Mortelle randonnée
F/D 1983
Regie: Claude Miller
120 Min., 35mm, DF
Mit Michel Serrault, Isabelle Adjani, Geneviève Page, Sami Frey, Stephane Audran, Guy Marchand u.a.
Musik: Carla Bley

Eine Fotografie macht den Anfang: Eine Mädchenklasse, irgendwo darunter die kleine Marie, die Beauvoir seit seiner Scheidung nicht mehr gesehen hat. Dazu auf der Rückseite die schnippische Auskunft der Exfrau: „Finde sie doch heraus, deine Tochter – viel Glück!“ Als der Privatdetektiv, in Fachkreisen nur „Das Auge“ genannt, Jahre später den Auftrag erhält, der neuen Freundin eines Brüsseler Unternehmersohnes hinterherzuspüren, erwächst daraus eine Obsession, die ihn kreuz und quer durch Europa führen wird. Zusehends verwischt die Grenze zwischen dem misanthropischen Schnüffler (Serrault), der anderen sonst nur mit einem Arsenal von Kameras und Teleobjektiven auf den Leib rückt, und der mysteriösen Schönen (Adjani), einer Hochstaplerin und mutmaßlichen Mörderin.

Im Nachruf auf den 2012 verstorbenen Claude Miller bezeichnete Andreas Kilb (FAZ) die besten Filme des französischen Regisseurs als „hinreißend kalkulierte Liebeserklärungen“ an seine Schauspieler_innen und bezog sich in Millers hochkarätig besetztem Neo-Noir von 1983 allen voran auf den hierzulande eher aus komödiantischen Rollen bekannten Michel Serrault. Diesen habe der Regisseur „den hintergründigsten Schauspieler genannt, welchen er je getroffen habe. [Hier] hat man das Gefühl, direkt in [Serraults] Seele schauen zu können, ohne dass das, was darin ist, sich je restlos offenbarte. So ließ Miller seine Figuren im Geheimnis und gab sie doch ganz unseren Blicken preis„.