04. Mai

OT: Les glaneurs et la glaneuse
F 2000
Regie: Agnès Varda
82 Min., 35mm, OmU
Dokumentarfilm

Agnès Vardas Film „Les glaneurs et la glaneuse“ zeigt die noch heute lebendige Tradition, in welcher Menschen, manchmal freiwillig, manchmal aus Not, nach der Ernte oder den Wochenmärkten Kartoffeln, Äpfel und andere zurückgelassene Dinge auflesen, nur dass heutzutage die Sammler_innen auf ihren Wegen genauso gut Kühlschränke und anderen Schrott vorfinden können. Die Leute, die Varda filmt, leben oft am Rande der Gesellschaft und die Tatsache, dass sie deren Vertrauen und Kooperationsbereitschaft gewonnen hat, wirft ein Licht auf die persönliche Integrität der kunstfertigen Filmemacherin. „Filmemachen ist auch eine Art des Sammelns„, sagt sie.
Vardas „Wanderstrassen-Dokumentarfilm“ wurde zunächst wenig beachtet. Doch als der Film von Canal + ausgestrahlt wurde und dann am nächsten Tag ins Kino kam, löste er ein für einen Dokumentarfilm überraschendes Echo aus: eine enthusiastische Presse, Warteschlangen vor den Kinos, 43.000 Zuschauer_innen in nur neun Wochen… Die Zuschauer_innen applaudierten wie im Theater.

Les glaneurs et la glaneuse ist ein Wunder an Freiheit und Genauigkeit, Neugier und Geduld, Verspieltheit und Zärtlichkeit. Die Regisseurin von Vogelfrei und Cléo von 5 bis 7 beginnt mit François Millets berühmtem Bild von den Kartoffelklauberinnen und kommt von dort vom Hundertsten ins Tausendste – oder eigentlich eher umgekehrt: Sie kommt ihrem Thema immer näher, indem sie es immer weiter faßt und zeichnet am Ende ein Bild unserer (Wegwerf-) Gesellschaft, das in gleichem Maße poetisch wie politisch ist. […] Godard hat einmal behauptet, er habe seinen Film auf dem Schrottplatz gefunden – Varda nimmt ihn beim Wort. Mit ihrer kleinen Kamera zieht sie los und liest ihren Film sozusagen von der Straße auf„. Michael Althen