Die Hauptfigur Thana (Zoë Lund) ist eine junge, stumme Näherin in New York. Sie wird innerhalb kurzer Zeit zweimal Opfer sexualisierter Gewalt. Danach nimmt sie eine Pistole und beginnt, Männer zu töten, die sie als Bedrohung wahrnimmt.
Abel Ferrara, Regisseur, Drehbuchautor und Produzent, gilt als einer der radikalsten Vertreter des amerikanischen Independent Kinos. New York wurde für ihn nicht nur zum Produktionsort, sondern zu einem wesentlichen Bestandteil seiner Filmsprache. Die Stadt erscheint bei Ferrara häufig düster, brutal und provokant. Themen wie Schuld, Religion, Sucht, Gewalt und Erlösung ziehen sich durch seine Filme, etwa in “The Addiction“, “Bad Lieutenant“, “Driller Killer“ oder eben “Ms. 45“. Letztgenannter gehört zum amerikanischen Exploitation- und Rachekino der frühen 1980er, geht aber deutlich über reine Genre-Unterhaltung hinaus. So verbindet der Film Elemente des Genres mit sozialkritischen und psychologischen Motiven. Im Zentrum stehen dabei Fragen nach weiblicher Ohnmacht, sexualisierter Gewalt, Selbstermächtigung und der zerstörerischen Wirkung von Gegengewalt.
Zoë Lund’s Rolle als Thana ist außergewöhnlich, weil sie den gesamten Film über nicht spricht und somit Trauma, Angst, Wut und ihre zunehmende Entschlossenheit wesentlich über Körper, Gesicht und Blick vermittelt werden. Sie ist zwar eine von einem männlichen Regisseur geschaffene Figur, wurde aber von einer sehr eigenständigen jungen Künstlerin verkörpert, die selbst später als Autorin arbeitete.
Die Wissenschaftlerin und Filmkritikerin Alexandra Heller-Nicholas weist darauf hin, dass, obwohl „Ms.45“ bei seinem Release durchaus umstritten war, der Film mittlerweile als bedeutender feministischer Kultfilm verstanden wird.
(Textverantwortlich: JU)