The Ugly Stepsister
The Ugly Stepsister Still

Wer von uns hat sich nicht bei dem Märchen gegruselt, als sich die bösen Stiefschwestern die Füße zerhackten, um in den Glasschuh zu passen? Für Walt Disney natürlich viel zu grausam, die Geschichte wird schnell gezähmt. Was bleibt, ist die Gleichsetzung von Schönheit und dem ‚Gut sein‘. Wer schön sein will, muss leiden – aber nur die wirklich Guten können wirklich schön sein. Weiß doch jedes Kind.

Genau diesen Stoff holt sich Emilie Blichfeldt in ihren Debütfilm und zaubert uns ein neues altbekanntes Märchen: Elvira möchte nicht mehr die hässliche Stiefschwester sein und legt alles daran, sich Prinz Julian zu angeln. Dass da Schweiß, Tränen, und Blut fließen müssen ist ja wohl klar. Inspiriert von David Cronenbergs körperlichen Transformationen als sozio-politischen Kommentar setzt Blichfeldt den Film in die Anfänge der (institutionellen) Schönheitschirurgie im 18. Jhd.. Damals hing die soziale und ökonomische Realität von Frauen von Männern ab. Eine Heirat sicherte die Existenz und gesellschaftliche Teilhabe. Und das Aussehen ist bekanntlicherweise die einzige Waffe einer Frau.

Blichfeldts „beauty horror“ orientiert sich ästhetisch an dem osteuropäischen Märchenkino der 1960/70er Jahre. Musikalisch inspirierten 1970er Soundtracks wie „Bilitis“, oder „Goblin“, während die Musikerin Vilde Tuv die kontemporäre Note dazugibt. Lea Myren verleiht der Elvira durch ihr scharfes komödiantisches Timing eine Humanität, die selbst in den absurd übersteigerten Szenen in der Realität geerdet bleibt.
Der Film will kein schwarz-weiß, kein einfaches Gut und Böse. „There is only one Cinderella,” schreibt Blichfeldt im Presse-Kit. “The rest of us, struggling to fit the shoe, are stepsisters.

(Textverantwortlich: LF)