Unsere Filme im Juni - Auf Abwegen
Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums
21.06.

Bielefeld-Premiere!

Gleißende Sonne, blaues Wasser, endlich Ferien! Es ist ein heißer Sommertag in El Paso, Texas, als sich die beiden mexikanisch-amerikanischen Jungen Aristoteles und Dante 1987 im Schwimmbad treffen. Bis auf ihre philosophischen Namen scheinen sie wenig Gemeinsamkeiten zu haben: Ari kann nicht schwimmen und Dante liebt das Wasser. Ari ist unsicher und in sich gekehrt, Dante ist selbstsicher und aufgeschlossen. Aris Eltern reden nicht über seinen inhaftierten Bruder, während Dante mit seinen Eltern alles teilt. Trotzdem freunden sich die beiden Einzelgänger an und verbringen einen Sommer damit, überall barfuß zu laufen, den Nachthimmel in der Wüste beobachten, und die Welt aus der Sicht des Anderen zu sehen. Doch dann zieht Dante mit seinen Eltern nach Chicago – und die aufblühende Freundschaft gerät ins Wanken.

Basierend auf Benjamin Alire Sáenz‘ Coming-of-Age Roman erzählt Aitch Albertos Regie-Debut die Geschichte von zwei Teenagern auf Abwegen, während sie versuchen, sich durch die Wirrungen von Freundschaft, (Homo-)Sexualität, Maskulinität und mexikanischer Identität einen Weg zu suchen. Peter Debruge schrieb für Variety: „Yes, it’s a love story, but it’s also an incredibly beautiful exploration of intersectionality and trying to make sense of one’s multidimensional identity — of growing up Latino in a bilingual household, of finding room to be sensitive in a society that celebrates machismo.

Auch wenn der Film manchmal etwas wackelig ist, so glänzt er doch umso mehr in der Performance der zwei Hauptdarsteller, welche dank „der stimmigen Chemie […] die tiefe Verbundenheit zwischen den titelgebenden jungen Helden glaubhaft zum Ausdruck [bringen].“ kino-zeit.de

(Textverantwortlich: LF)

Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums Still
Kaltblütig
28.06.

Der wohl erste richtige True-Crime-Film und zugleich bereits ein Höhepunkt. Basierend auf dem gleichnamigen Tatsachenroman von Truman Capote, mit dem er Wegbereiter des „New Journalism“ war, wird ein aufsehenerregendes Verbrechen erzählt, das sich 1959 im US-Bundesstaat Kansas ereignete. Von der Planung des Überfalls, dem gescheiterten Raub, dem Mord, über die Fahndung und die Gerichtsverhandlung bis hin zum Urteil wird der Fall detailliert rekonstruiert.

Richard Brooks, der sich zum Ende der Studio-Ära einen Namen für Literaturverfilmungen gemacht hat („Elmer Gantry“, „Die Katze auf dem heißen Blechdach“), hat sich größtmögliche Authentizität gewünscht und sich dazu entschieden, an den Originalschauplätzen in Kansas zu drehen. Etwas, das für die damalige Zeit – so weit entfernt von Hollywood –, äußerst unüblich gewesen ist. Dass er so weit gegangen ist, nicht nur die Hauptrollen mit möglichst ähnlich aussehenden, unbekannten Schauspielern zu besetzen und die echten Geschworenen zu casten, sondern auch an dem Ort des Verbrechens selbst zu drehen, dürfte die ethische Frage aufwerfen, wie weit man Fiktion an die Realität heranholen darf.

Nach dem Western-Klassiker „Die gefürchteten Vier“ war dies der zweite Film, den Brooks mit der Kamera-Legende Conrad L. Hall gedreht hat, von dem wir vor Kurzem „Der Unbeugsame“ im Offkino gezeigt haben. Obendrein steuerte der berühmte Komponist und Musikproduzent Quincy Jones die Filmmusik bei. Der Lohn für die „kongeniale Verfilmung, im Doku-Stil und mit komplexen Rückblenden“ (Cinema) waren vier Oscar-Nominierungen in den Kategorien Kamera, Filmmusik, adaptiertes Drehbuch und Regie.

(Textverantwortlich: JR) 

Kaltblütig Still
Unsere Filme im Juli - Auf Abwegen (Teil 2) || SOMMERPAUSE ab dem 19.07.
Die verlorene Ehre der Katharina Blum
05.07.

Katharina Blum (Angela Winkler) verbringt die Nacht mit einem Mann (Jürgen Prochnow), den sie am Abend erst kennengelernt hat. Am nächsten Morgen wird die Wohnung von der Polizei gestürmt und Katharina wird darüber aufgeklärt, dass es sich bei Ludwig um einen Terrorverdächtigen handele. Unter dem Vorwurf, Ludwig zur Flucht verholfen zu haben, wird Katharina vorläufig festgenommen und verhört. Die „ZEITUNG“ stellt den Verdacht gegen Ludwig und Katharina als Tatsache dar und zerrt die unbescholtene Frau mit verfälschten Aussagen und Schlagzeilen in die Öffentlichkeit. Nach und nach wird Katharinas gesellschaftliche Stellung durch die Sensationsgier und Reichweite der „ZEITUNG“ zerstört.

Ähnlichkeiten mit gewissen journalistischen Praktiken sind weder beabsichtigt noch zufällig, sondern unvermeidlich.“ Mit dieser Texteinblendung am Ende macht der Film nochmal seinen Standpunkt klar. Vor dem Hintergrund des Terrors der RAF Mitte der 1970er Jahre setzt sich der Film, wie auch die Vorlage des Literaturnobelpreisträgers Heinrich Böll, kritisch mit einer sensationsgierigen und nur nach Auflage strebenden Boulevardpresse auseinander. Die Verweise in den zu Bölls Erzählung veröffentlichten Illustrationen waren so offensichtlich, dass der Springer-Verlag gerichtlich gegen den „Spiegel“ vorging, in dem die Erzählung veröffentlicht wurde.

Der Film war das Regie-Debüt von Margarethe von Trotta, die zu der Zeit mit Volker Schlöndorff verheiratet war und zuvor mit ihm als Schauspielerin, Drehbuchautorin und Regie-Assistentin zusammengearbeitet hat. Obwohl beide zusammen Regie geführt haben, wird in dem Trailer zum Film aufgrund der Bekanntheit nur Schlöndorff als Regisseur genannt. Doch in den kommenden Jahren sollte von Trotta zu einer ebenso angesehenen Regisseurin im deutschen Film werden.

(Textverantwortlich: JR) 

Die verlorene Ehre der Katharina Blum Still
Silvia Prieto (Regisseur am Filmabend anwesend!)
12.07.

Wir freuen uns riesig: Regisseur Martín Rejtman gibt uns die Ehre, wenn wir diesen mehrfach ausgezeichneten Meilenstein des Nuevo Cine Argentino mit den argentinischen Indiepop-Ikonen Rosario Bléfari und Vicentico zeigen. Q&A auf Englisch, span. / dt. Übersetzung bei Bedarf!

An ihrem siebundzwanzigsten Geburtstag beschließt Silvia, ihrem Leben eine radikal neue Wendung zu geben. Erste Maßnahmen: ein neuer Job, Anschaffung eines stummen Kanarienvogels, eine Reise ans Meer. “Buoyed by its fanciful, rapid-fire dialogue and at times hilariously absurd story,  Silvia Prieto is saturated by a Pop sensibility that belies a gently ironic fascination with bright logos, television slogans and the rich contradictions of consumer culture. … Rosario Bléfari … brings a spontaneous grace to her portrayal of Silvia Prieto as a young woman spinning at a crossroads of her own design. …  Silvia Prieto offers an affectionate portrait of romantic folly that, at its end, reveals an unexpected bridge to Rejtman’s lesser-known documentary work.  Harvard Film Archive

Martín Rejtman (*1961) studierte Film und Regie in Buenos Aires und New York, arbeitete als Filmeditor in der Cinecittà und hat mehrere Bände Kurzgeschichten veröffentlicht. „Rapado“ (1992), sein Langfilmdebüt, brach völlig mit den Sehgewohnheiten des argentinischen Publikums. Seine Filme wirken wie absurde Versuchsanordnungen, bei denen seine sympathischen, aber schrulligen Charaktere ihren Alltag mal mittels schräger Strategien, mal in lakonischer Apathie bewältigen. Rejtmans abgründige Komödien erinnern an Kaurismäki, Jarmusch und Tati, daneben hat er auch Dokumentarfilme gedreht.

Eine Kooperation mit CALAS Maria Sybilla Merian Center for Advanced Latin American Studies und CIAS Center for InterAmerican Studies / Centro de Estudios Interamericanos und Vergleichende Literaturwissenschaft / Romanistik, Universität Bielefeld.
 

(Textverantwortlich: AR)

 

Silvia Prieto (Regisseur am Filmabend anwesend!) Still
Unsere Filme im August - SOMMERPAUSE! Am 06.09. geht`s weiter :)