Unsere Filme im April - Vinyl
Ein Virus kennt keine Moral & Kurzfilm: Schwestern der Revolution
24.04.

Hommage an Rosa von PraunheimRosa von Praunheim ist am 17. 12.2025 mit 83 Jahren in Berlin gestorben – auch ihm möchten wir mit einem besonderen Filmabend gedenken!Bis zuletzt aktiver und bedeutender Film- und Theaterregisseur, wichtiger Vertreter des „Neuen Deutschen Films“, wichtiger Aktivist der queeren Bewegung – nie angepasst, nie bequem und nie leise.So auch in „Ein Virus kennt keine Moral„:Hurra, wir leben noch“, singt die Schwulenband „Die Bermudas“ auf einem Tuntenball – ein trotzig-ironischer Auftakt zu Rosa von Praunheims greller Filmsatire.Im Mittelpunkt stehen der reaktionäre Saunabesitzer Rüdiger Kachinski (gespielt von Rosa v. Praunheim) und Christian Kesten, Student der Kirchenmusik, der sich aufopferungsvoll um seinen an Aids erkrankten Lebensgefährten kümmert. Die Therapeutin Tomalik-Samenkorn (Ina Blum), die Todesmeditationen für Aids-Kranke anbietet, die Reporterin Carola Schrecksch, die inkognito die Schwulenszene ausspioniert. Und Prof. Dr. Blut vom „Institut für Seuchen, Pest und Tod“ kommt angesichts der goldenen Zeiten für die Pharmaindustrie ins Schwärmen…Der Film entstand als Reaktion auf die gesellschaftliche Panik, die Mitte der 1980er Jahre bei Bekanntwerden von dem HI-Virus ausbrach. „(…) mit grellen Einfällen und einem makabren Rundumschlag (…).“ Rosa von Praunheim

Und wir zeigen den avantgardistischen Kurzfilm „Schwestern der Revolution“ (BRD 1969, digital, 20 Min.)Darsteller_innen: Carla Aulaulu, Hannes Flütsch, Luzi Kryn, Werner Schroeter, Dietmar Kracht u.a.Die „Schwestern der Revolution“ ist eine Kampftruppe von Homosexuellen, die sich für die Befreiung der Frau einsetzt. Dietmar, der die Unterdrückung und Hilflosigkeit der Frau nachspielt, weiß seinen Protest nur in den einen Satz zu kleiden: „Ich will kein Osterhase sein, obwohl ich sensibel und anlehnungsbedürftig bin„.

(Textverantwortlich: KE)

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Unsere Filme im Mai - Namen
Ginger Snaps – Das Biest in Dir
01.05.

Die Schwestern Ginger und Brigitte sind gewollte Außenseiterinnen in einer kanadischen Kleinstadt. Interesse an Jungs oder anderem typischen Mädchenkram? Fehlanzeige. Ihr Lieblingshobby ist es brutale Morde detailgetreu nachzustellen und via Polaroidkamera festzuhalten. Die Schwestern-Beziehung ist der Mittelpunkt ihrer Welt – inklusive mit Blut geschworenem Suizidpakt für ihren bald bevorstehenden 16. Geburtstag: „Out by sixteen or dead in the scene but together forever.“ Ginger

Das alles jedoch ändert sich schlagartig in der Nacht, in der Ginger ihre erste Periode bekommt und von einem Biest gebissen wird, das sich, an Gingers körperlichen Veränderungen zu erkennen, als Werwolf herausstellt. Die bisherige Beziehung der Schwestern zerbricht zunehmend. Für Brigitte ist Gingers plötzlicher Drang nach Jungs und Sex unerklärlich. Der Werwolf-Schwanz auch. Ginger hingegen verliert immer mehr die bisher so genossene Kontrolle über ihre kleine Schwester, die auf der Suche nach einem Heilmittel  die Anziehungskraft des bisherigen Zweigestirns verlässt.

Ginger Snaps ist einer der ikonischen, feministischen BodyHorror aus den 2000ern. Karen Waltons bissiges Drehbuch exerziert den Vergleich zwischen weiblicher Pubertät und dem (Zurück)nehmen der weiblichen Sexualität und dem Werwolf-Dasein klar durch: Blut fließt, Haare sprießen, Begierde erwacht. Scream Queens Katherine Isabelle und Emily Perkins spielen die komplizierte, schwankende und subtextuelle homoerotische Beziehung der beiden Schwestern von wunderbar zart bis beißend scharf: „You want me? You want me! Stop hurting everybody else and take me! You wreck everything for me that isn’t about you! Brigitte

Die Kleinstadt-1990er-Ästhetik samt der grungy Garderobe der Schwestern und der krasse Soundtrack sind das letzte Tüpfelchen auf der Sahnetorte.

(Textverantwortlich: LF)

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Susan… verzweifelt gesucht
08.05.

Susan… verzweifelt gesucht“: Als die gelangweilte Hausfrau Roberta (Rosanna Arquette) diese Zeitungsanzeige entdeckt, wird sie neugierig und beschließt, die Unbekannte zu finden und damit aus ihrem öden Leben auszubrechen. So beginnt ihre Odyssee durch die New Yorker Subkultur, immer knapp vorbei an der flippig-punkigen Susan (Madonna). Als Roberta zufällig in den Besitz von Susans Jacke kommt und nach einem Unfall ihr Gedächtnis verliert, rutscht sie in eine turbulente Verwechslungsgeschichte – inklusive Gangstern, falscher Identitäten und einer plötzlich sehr realen Sehnsucht nach einem anderen Leben…

Susan wird von niemand Geringerer als der Sängerin und Pop-Ikone Madonna gespielt, die mit ihrem zweiten Album „Like a Virgin“ parallel zu den Dreharbeiten zum Megastar aufstieg. Mit ihrem Einstand als professionelle Schauspielerin in Seidelmans Film hat Madonna ohne Frage einen ihrer besten Filme gedreht. Susan Seidelman engagierte Madonna als diese noch weitgehend unbekannt war, und beschrieb sie als eine „wilde Type“: ehrgeizig, egozentrisch und zugleich warmherzig. Der Film lebt aber nicht nur davon – vor allem Rosanna Arquette überzeugt in der Hauptrolle mit einer derart einnehmenden Darstellung, dass der Film weit über bloße Unterhaltung hinausgeht. Mit viel Gespür für Atmosphäre inszenierte Seidelman ein poppiges Werk, das 2023 in das „National Film Registry“ aufgenommen wurde.Auch Rosanna Arquette blickt mit großem Stolz auf die Produktion zurück: Der Film sei seinerzeit wegweisend gewesen, da er in zentralen kreativen Positionen von Frauen getragen wurde – von der Drehbuchautorin über die Produzentinnen bis hin zur Regisseurin – und zudem Frauen in den Mittelpunkt stellte.

// Ich freue mich sehr, dass wir den Film auf 35mm und in der Originalversion zeigen können! Und, na klar!, im Foyer wird euch ein cooler Madonna & 80s-Musik-Mix erwarten und vielleicht dazu auch noch ein extra fancy Getränk – lasst euch überraschen!

(Textverantwortlich: KE)

Susan… verzweifelt gesucht Still
Die Freiheit des Erzählens. Das Leben des Gad Beck
15.05.

Als homosexueller jüdischer Jugendlicher überlebte Gad Beck den Nationalsozialismus. Zu einem Schlüsselerlebnis geriet ihm die Deportation seines ebenfalls jüdischen Liebhabers Manfred Lewin. Die Familie Lewin überlebte den Holocaust nicht: Alle Familienmitglieder wurden in Auschwitz ermordet.Als so genannter „jüdischer Mischling“ inhaftiert, erlebte Gad Beck die einzigartigen Ereignisse um das Sammellager Rosenstraße, wo tagelang hunderte Menschen erfolgreich für die Freiheit ihrer jüdischen Angehörigen demonstrierten. Nach seiner glücklichen Freilassung schloss Gad Beck sich seinen bereits untergetauchten Freund_innen des „Chug Chaluzi“ an. 1944 wurde er Leiter dieser illegalen zionistischen Jugendgruppe, die das Überleben zahlreicher Jüd_innen in Berlin organisierte.Nach Kriegsende geht Gad mit seinen Eltern und seiner Schwester nach München und wartet in einem Camp für Displaced Persons auf seine Emigration nach Palästina. Er verlässt Deutschland 1947, lebt lange in Israel, beginnt dort ein Psychologie-Studium und pflegt enge Kontakte nach Wien, wo er seinen Lebenspartner kennenlernt. 1979 kehrt er schließlich nach Berlin zurück. Er wird Leiter der jüdischen Volkshochschule, veröffentlicht seinen von biografischen Erinnerungen inspirierten Roman und ist einer der ersten Shoah-Überlebenden, die offen über ihre Homosexualität sprechen.
Der Film fragt auch danach, wie man sich an Geschichte erinnert. In einer online veröffentlichten Stellungnahme haben die Filmemacher angedeutet, dass sie einige von Becks Geschichten über seine »Liebesabenteuer unterm Bombenhagel« etwas unglaubwürdig finden. Zumindest klängen sie »manchmal recht unwahrscheinlich«. Vielleicht sei aber gerade das »Ausdruck seiner späten Rache an den Nazis, einer Weigerung, seine Geschichte von anderen bestimmen, sich zu einem Opfer machen zu lassen – und sei es ein halbes Jahrhundert später durch wohlmeinende, aber ahnungslose Filmemacher wie uns«, schreiben Cackett und Does.“ jungle world

(Textverantwortlich: JU)

Die Freiheit des Erzählens. Das Leben des Gad Beck Still
Tatjana – Take Care Of Your Scarf
22.05.

Der schweigsame Schneider Valto und der redselige Mechaniker Reino könnten unterschiedlicher kaum sein: Während der eine literweise Kaffee trinkt, trinkt der andere nur Alkohol. Gemeinsam machen sie sich in einem schwarzen Wolga auf eine Reise durch den Süden Finnlands. Unterwegs begegnen sie der Russin Klavdia und der Estin Tatjana. Trotz Sprachbarrieren und anfänglicher Unsicherheiten entwickelt sich zwischen den vier so verschiedenen Menschen eine vorsichtige Nähe.

Mit wie immer meisterhaft minimalistischem Stil und feinem Gespür für Zwischentöne erzählt Kaurismäki von Begegnungen jenseits von Worten. In einem Spiel aus Gesten, Blicken und Missverständnissen entsteht eine ebenso zarte wie eigenwillige Annäherung. Gleichzeitig lässt sich der Film auch als subtile Reflexion über Geschlechterrollen und die Beziehungen zwischen Finnland, Estland und Russland lesen.

Egal was man nun in Kaurismäkis Tragikomödie interpretieren will, es ist und bleibt ein wunderbarer Film. Wie man es von Kaurismäki gewohnt ist, findet sich auch hier ein trockener, manchmal zynischer Humor wieder. Aber auch Momente zwischenmenschlicher Zärtlichkeit und Melancholie. Besonders gekonnt spielt er in Tatjana mit den Dialogen, vor allem, da er sich drei unterschiedlicher Sprachen bedient.“ Marco Rauch

Die Produktion wurde 1995 mit dem Jussi (Finnlands nationaler Filmpreis) als Bester Film ausgezeichnet. Außerdem gewann Kameramann Timo Salminen einen Preis für seine Kameraarbeit.

(Textverantwortlich: KE)

Tatjana – Take Care Of Your Scarf Still
„Scoops of Glory“ – Live Holzschnittfilm
28.05.

Wir veranstalten den Extra-Termin/Abend in Kooperation mit unseren Nachbar_innen „Artists Unlimited“!
Eintritt: 12€, ermäßigt 10€

Bielefeld-Premiere!

Der Brüsseler Künstler Bob Nichols hat in den letzten Jahren seine ganz eigene Art der Filmproduktion entwickelt, die er gerne als „live bearbeitete Holzschnittfilme“ bezeichnet. Das bedeutet: ein Film ohne Leinwand, der von ihm live unter Verwendung von mehr als 300 Holzschnitten präsentiert wird!
Wir freuen uns sehr, dass er heute  mit seinem neuen Film bei uns im OFFKINO zu Gast ist – einem Krimi-Thriller, der in der gnadenlosen Welt des Eiscreme-Geschäfts spielt: „Scoops of Glory“.

https://www.instagram.com/santeloisirs/

(Textverantwortlich: KE)

„Scoops of Glory“ – Live Holzschnittfilm Still
Rebecca
29.05.

„Rebecca“ beginnt mit der berühmten Rückblende: Die namenlose Erzählerin berichtet aus dem Off von einem Traum über das verfallene Anwesen Manderley– ein Hinweis darauf, dass die Geschichte tragisch enden wird. Aber mehr will hier nicht verraten werden…Basierend auf dem Roman von Daphne du Maurier erzählt der Film die Geschichte einer schüchternen jungen Frau, die den wohlhabenden Witwer Maxim de Winter heiratet und auf sein prachtvolles Anwesen Manderley zieht. Dort wird sie von der allgegenwärtigen Erinnerung an seine erste Frau Rebecca verfolgt – besonders durch die unheimliche Haushälterin Mrs. Danvers.

Oft zitiert und hervorgehoben wurde das Urteil von Roger Ebert, US-amerikanischer Filmkritiker, Drehbuchautor und Journalist. Er prägte das Genre der populären Filmkritik wie kein anderer, gewann 1975 als erster Kritiker den Pulitzer-Preis. „Rebecca ist keine Geistergeschichte, sondern eine Geschichte darüber, wie Menschen von Erinnerungen und Vorstellungen beherrscht werden.“Ebert betont weiter, dass der Film seine Wirkung nicht durch sichtbaren Horror erzielt, sondern durch psychologische Spannung: Die titelgebende Figur Rebecca erscheint nie, ist aber dennoch ständig präsent und beeinflusst alle anderen Figuren. Zudem hebt er hervor, dass Alfred Hitchcock hier weniger auf klassische Thriller-Elemente setzt, sondern stärker auf Atmosphäre, Andeutungen und innere Konflikte.

Ein meisterhaft inszenierter Gothic-Thriller, der durch Atmosphäre und psychologische Tiefe überzeugt.“ rotten tomatoes

Hitchcock zog Ende der 1930er Jahre von Großbritannien in die USA, nachdem ihn der Produzent David O. Selznick unter Vertrag genommen hatte. Selznick war bereits durch Filme wie „Gone with the Windbekannt und wollte Hitchcock in Hollywood etablieren. „Rebeccamarkiert Hitchcocks Übergang vom britischen zum amerikanischen Kino. Es ist demnach sein erster Hollywood-Film der ihm gleich einen Oscar einbrachte.

(Textverantwortlich: JU)

Rebecca Still