Unsere Filme im August - Bis 18.08. noch SOMMERPAUSE
Blutsauger
19.08.

August 1928. Der sowjetische Fabrikarbeiter Ljowuschka wird als Trotzki-Darsteller für den Film „Oktober“ des Regisseurs Sergei Eisenstein gecastet. Doch seine Träume vom Künstlerleben platzen, als der echte Trotzki bei Stalin in Ungnade fällt und er aus dem Film herausgeschnitten wird. So flieht der romantische Träumer aus der kommunistischen Heimat und will sein Glück in Hollywood versuchen. Noch steckt er allerdings in einem mondänen deutschen Ostseebad fest, wo er als verfolgter Aristokrat verkleidet das Geld für die Überfahrt nach New York zusammenstehlen will. Bei einem seiner Streifzüge lernt er die junge Fabrikbesitzerin Octavia Flambow-Jansen kennen, die die Sommermonate mit ihrem tölpelhaften Diener Jakob am Meer verbringt. Die exzentrische Millionärin interessiert sich für den geheimnisvollen Flüchtling und bietet ihm Unterschlupf in ihrem luxuriösen Herrenhaus. Schnell fliegt seine Tarnung auf, und noch schneller hat er sich in seine schillernde Gastgeberin verliebt – sehr zum Verdruss des literarisch ambitionierten Jakob, der ebenfalls für die Chefin schwärmt. Eine sommerliche Romanze bahnt sich an – dumm nur, dass in der Gegend Vampire ihr Unwesen treiben. Und noch dümmer, das Octavia selbst ein Blutsauger ist…

 

„Beweist nicht nur, wie weit man Ironie entwickeln kann, sondern auch, wie gut sich Theorie in Filmpraxis übersetzen lässt.“ tip Berlin

„BLUTSAUGER ist Diskurskino, ohne spröde oder larmoyant zu sein.“ Filmdienst

 

(Textverantwortliche: KE)

Blutsauger Still
Double Feature: Filmfarsi & Gavaznhā / Die Hirsche
26.08.

Zweiter Film:
Gavaznhā / Die Hirsche
Regie: Masoud Kimiai
Iran 1974, 118 Min, Farsi mit englischen Untertiteln., DCP
Mit Behruz Vossoughi, Faramarz Gharibian  u.a.

„Filmfarsi“-Regisseur Ehsan Khoshbakht steht nach seinem Film für ein Gespräch per Videokonferenz zur Verfügung.

Und hier die Filmtexte zu beiden Filmen:

Filmfarsi
Iranisches Kino, das ist für viele heute gleichbedeutend mit international bekannten und preisgekrönten Filmemachern wie Abbas Kiarostami („Der Geschmack der Kirsche“ 1997) oder Jafar Panahi („Taxi Teheran“, 2015).
Doch Regisseur Ehsan Khoshbakht beschäftigt sich in seinem Dokumentarfilm „Filmfarsi“ mit einer Zeit der iranischen Kinogeschichte, die zu einem großen Teil verloren (wortwörtlich, denn die Filme existieren heute fast ausschließlich nur auf alten VHS-Kassetten) und außerhalb seines Heimatlandes fast vollständig unbekannt ist.
In den 1960er und 1970er Jahren war Film im Iran melodramatisch, sensationslüstern und Spiegel einer höchst widersprüchlichen und facettenreichen Gesellschaft. Die zumeist kleinkriminellen Helden dieses Kinos sind hin und hergerissen zwischen religiöser Tradition und westlich orientierter Moderne und wissen sich oft nur mit geballten Fäusten der Welt gegenüberzustellen. Und die Frauen? Auch sie leiden unter der scheinbaren Freiheit Minirock und Hijab zugleich tragen zu können.
Khoshbakht hat einen zutiefst persönlichen Blick auf sein Sujet und verwebt die Welt des Kinos seiner Heimat mit der iranischen Realität unter Shah Mohammad Reza Pahlavi. Dabei findet er das Abbild einer Gesellschaft auf der Suche nach seiner eigenen Identität. Eine Suche, die ihr vorläufiges Ende am 19. August 1978 fand, als das „Cinema Rex“ in Abadan einem Terroranschlag zum Opfer fiel, bei dem hunderte Menschen starben. Ein Schlüsselereignis der islamischen Revolution, die schließlich das Regime des Shahs stürzte und unter anderem auch die Welt des Kinos im Iran für lange Zeit verstummen ließ.

Gavaznhā / Die Hirsche
„Gavaznhā“ von Masoud Kimiai entstand bereits 1974, war jedoch ein so großer Erfolg, dass er die gesamten 1970er Jahre immer wieder in den iranischen Kinos gezeigt wurde. So auch am 19. August 1978 im „Cinema Rex“, als dieses einem Brandanschlag zum Opfer fiel, bei dem über 400 Menschen starben.
Behruz Vossoughi, der größte iranische Filmstar des prä-revolutionären Irans, ist der drogenabhängige Seyed, der seine Sucht mit Gelegenheitsjobs finanziert. Eines Tages bekommt er Besuch von seinem alten Freund Ghodrat (Faramarz Gharibian). Einst war Seyed für Ghodrat Idol und Beschützer. Jetzt ist Ghodrat wieder auf die Hilfe seines Jugendfreundes angewiesen, denn er hat eine Schussverletzung und ist auf der Flucht vor der Polizei…
Nach seiner Premiere auf dem „Tehran International Film Festival“ im November 1974, waren es nicht nur die Zuschauer_innen, die den revolutionären Unterton in Kimiais Film fanden: die berüchtigte SAVAK, die Geheimpolizei des Shahs, verhaftete den Regisseur und zwang ihn, das Finale seines Films zu ändern. Das schmälerte jedoch nicht den Erfolg der siebten und letzten Zusammenarbeit von Kimiai und Schauspieler Behruz Vossoughi. Bis heute gilt „Gavaznhā“ als eine Sternstunde nicht nur des iranischen Kinos der 1970er Jahre, sondern des iranischen Kinos überhaupt.
Außerhalb seines Produktionslandes kaum gesehen, bietet „Filmfarsi“-Regisseur Ehsan Khoshbakht über 40 Jahre nach der folgenschweren Vorstellung des Films im „Cinema Rex“ die Möglichkeit, „Gavaznhā“ auch außerhalb des Iran auf der großen Leinwand zu sehen.

(Textverantwortlicher: CP)

Double Feature: Filmfarsi & Gavaznhā / Die Hirsche Still
Le Mans
02.09.

Fasten the seat belts, mesdames et messieurs. Während wir im Vorfilm fast ganze 9 Min. auf halsbrecherische Art und Weise durch ein frühmorgendliches Paris geschickt werden, läßt es der Hauptfilm anfänglich etwas ruhiger angehen. Zumindest bis zum Rennbeginn. Die berühmte Startszene, in der der Sekundenzeiger sich quälend langsam bewegt, bis die Startampel von rot auf grün springt und eine Orgie aus brüllenden Motoren und quietschenden Reifen losbricht. Gänsehautfeeling pur. Auch beim Anblick der drei gulf-farbenen Porsche 917.

Die Geschicht ist schnell erzählt. Der amerikanische Fahrer Michael Delaney (Steve McQueen) kehrt ein Jahr nach seinem Autounfall nach Frankreich zurück, um erneut im härtesten Autorennen der Welt in Le Mans anzutreten. Dort trifft er auf die Witwe, die in dem Unfall ein Jahr zuvor ihren Mann verloren hat – und verliebt sich in sie.

Als begeisterter Rennfahrer hat Hollywood-Ikone Steve McQueen das Filmprojekt selbst maßgeblich vorangetrieben und in weiten Teilen sogar selbst das Steuer übernommen. Durch spektakuläre und authentische Rennsportaufnahmen mit international bekannten Rennfahrern an Originalschauplätzen in Frankreich war der Film in seiner dokumentarischen und experimentellen Inszenierung wegweisend und ist damit zugleich ein Klassiker des Rennsportfilms.“ Filmspielgel Essen

Vielleicht ist „Le Mans“ deshalb so gut, weil Steven McQueen – der King of Cool, von dem es hieß: „He looked more like a racing driver than any racing driver“ – selbst leidenschaftlich gern Auto-und Motorradrennen fuhr und ihm bei seinem Film über das legendäre 24-Stunden-Rennen die Reaktionen der Kritiker und des Publikums herzlich egal waren – Hauptsache seine Kumpel in ihren feuerfesten Rennanzügen nickten anschließend und sagten. „That`s it.“ Drive & Livestyle

Die ersten 3 mit `ner Gulf-Jacke oder ´ner Heuer-Uhr bekommen freien Eintritt.

(Textverantwortlicher: JU)

Le Mans Still
El Entusiasmo
09.09.
In Kooperation mit unseren Lieblingssyndikalist_innen der FAU präsentieren wir „EL ENTUSIASMO“


1975 starb Europas letzter faschistischer Diktator: Francisco Franco. Sein Tod machte in Spanien den Weg frei für eine aufbegehrende Jugend, die vieles nachzuholen hatte. Aber auch die exilierten Kämpfer_innen aus dem Spanischen Bürgerkrieg kehrten zurück. In dieser Phase der sogenannten Transición, dem Übergang von der Diktatur zur bürgerlichen Demokratie, schien alles möglich – selbst der Traum, die Revolution von 1936 zu beenden. Der Film legt den Fokus auf Francos erbittertsten Gegner: die Anarchist_innen und Syndikalist_innen. Ihre Organisation, die Gewerkschaft Confederación Nacional del Trabajo (CNT), bis zum Sieg Francos ein entscheidender Faktor in der spanischen Gesellschaft, erlebte eine Renaissance. In nur zwei Jahren wurde aus einer klandestinen Untergrund-Organisation wieder eine Massenbewegung. Sie organisierte Versammlungen mit hunderttausenden Teilnehmer_innen, Libertäre Tage, Streiks und Widerstand gegen den neuen liberalen Kapitalismus. Schnell zerrieb sich dieser Aufbruch allerdings nicht nur in internen Konflikten, sondern wurde auch massiv durch geheimdienstliche Interventionen sabotiert. „El Entusiasmo“ ist auch die Geschichte einer Niederlage.

Die Bilder des Films sind so faszinierend wie unkonventionell.“ Jungle World

Der ebenso temporeich wie gekonnt geschnittene Film montiert parallel und immer wieder in Großereignissen kulminierend die Generation der anarchistischen Großväter und -mütter, die 40 Jahre lang in der Francodiktatur überlebt hatten, und eine junge Generation, die sich selbst und die Gesellschaft von jeder Unterdrückung und Norm befreien wollten.“ express

(Textverantwortlicher: JU)

El Entusiasmo Still
Tommy (mit „The Who’s Tommy Pinball Wizard“ im Kinofoyer)
16.09.

Wenn Katharina aus dem Offkino sich zum Flippern trifft, kommt natürlich schnell die Idee auf, Kino und Flipper miteinander zu verbinden. Als Film lag „Tommy“ von Ken Russell nahe, den wir auf 35mm spielen können, und da uns als besonderes Highlight der Flipperverein „Electric Friends e.V.“ aus Lemgo den dazu passenden Flipper „The Who’s Tommy Pinball Wizard“ zur Verfügung stellt. Dieser wird am Kinoabend im Foyer stehen, wo er natürlich vor und nach dem Film gespielt werden kann!

Der Musikfilm „Tommy“ ist die Verfilmung der gleichnamigen Rockoper der britischen Band „The Who“ und erzählt die Geschichte eines Jungen, der durch ein traumatisches Erlebnis gehörlos und blind wird und auch nicht mehr spricht. Sämtliche, bisweilen sehr fragwürdige Bemühungen, ihn zu heilen, schlagen fehl, bis Tommy über eine Art Vision seinen eigenen Weg findet, nämlich in das Eintauchen in die Flipper-Welt. Durch sein sehr talentiertes Flipperspiel wird er bald berühmt und schlägt sogar den berühmt berüchtigten „Pinball Wizard“ (gespielt von Elton John). Tommy wird zum Idol einer begeisterten Fangemeinde. Als er sein Trauma überwinden kann und ihm dadurch plötzliche Heilung widerfährt, wird dies als Wunderheilung interpretiert und Tommy direkt mal als Messias verehrt…

1969 veröffentlichte die britische Rockgruppe The Who das Album „Tommy“, das zur wohl berühmtesten Rockoper der Welt wurde. (…) Sechs Jahre später lieferte der umstrittene Exzentriker Ken Russell eine optisch und akustisch orgiastische Verfilmung dieser allegorischen Geschichte und entwarf für die scharfe Konsum- und Gesellschaftskritik der Who schrille, psychedelische Bilder, die noch heute auf wunderbare Weise den Geist der Siebzigerjahre verströmen.“ xenix

(Textverantwortliche: KE)

Tommy (mit „The Who’s Tommy Pinball Wizard“ im Kinofoyer) Still
The United States of America
23.09.

In 52 makellos komponierten, knapp zweiminütigen Ansichten porträtiert Benning die Bundesstaaten der USA, sowie Puerto Rico und den District of Columbia, begonnen bei Heron Bay, Alabama, bis hin zu Kelly, Wyoming. Die statischen Aufnahmen von Landschaften, Städten und dem, was dazwischenliegt, ergeben ein aktuelles Bild der USA, das en passant auch deren Bruchlinien nachzieht: umzäunte Anstalten, ein austrocknendes Flussbett, heruntergekommene Straßen und Tankstellen, ein Camp unter einer Brücke. Auch die Vergangenheit ist gegenwärtig, sie scheint auf in den Songs und Reden, die hin und wieder die Hintergrundgeräusche übertönen und neben die Motive treten, die ein ganzes Werk evozieren; denn die Wolken, Züge und Hütten repräsentieren nicht nur Bundesstaaten, sondern auch Filme. Wie immer bei Benning bleibt Zeit für abstrakte Überlegungen: Auch wenn jede Einstellung für einen Bundesstaat steht, ist es mit der Repräsentation so eine Sache. Welcher Bundesstaat ist am filmischsten?

James Benning, geboren 1942 in Milwaukee, USA, dreht seit 1972 Filme und fertigte zahlreiche Installationen an. Seit 1977 war er häufig im Forum und bei Forum Expanded der Berlinale zu Gast. Filme (Auswahl): 1972: Time & A Half (17 Min.). 1975: The United States of America. 1977: 11 x 14 (83 Min., Forum 1977, Forum 2018), 2004: 13 Lakes (133 Min., Forum 2005), Ten Skies (101 Min., Forum 2005). 2005.

„Mehrfach schon in seiner langen und produktiven Werkbiografie hat Benning ältere Arbeiten und Motive wieder aufgegriffen. Auch THE UNITED STATES OF AMERICA hat einen filmischen Vorläufer mit dem gleichen Titel aus dem Jahr 1975, als Benning gemeinsam mit der Kollegin Bette Gordon im Auto die USA von Ost nach West durchquerte und die Kamera von der Rückbank aus die Reisenden selbst und die Orte vor der Frontscheibe filmte. Ein Roadmovie in schönstem Sinne, der die Bewegung durch das Land und die Begegnung im Wagen miteinander kurz schloss und die einzelnen Landschaften überblendete und verband. Der neue Film verzichtet gänzlich auf solche Bewegung. Jede Einstellung und jeder Ort steht für sich, verbunden nur konzeptuell durch das Ordnungsprinzip der Tafeln und die Montage, die auf die Zelte von Obdachlosen in einerUnterführung eine sommerliche Landschaft und eine im Wind flatternde US-Flagge (New Milford, Connecticut) folgen lässt. … Nicht zuletzt war James Benning immer schon auch ein Spieler und Humorist. … Der größten Spaß, den er sich herausnimmt, ist aber eine gewichtige Verschiebung im Verständnis des gesamten Films aus der Rückschau. … Aber bitte bleiben Sie aufmerksam bis zum Abspann! Es könnte sein, dass Sie ‚The United States of America‘ danach gleich ein zweites Mal sehen wollen.“ Silvia Hallensleben, Tagesspiegel

(Textverantwortliche: KE)

The United States of America Still