Das Offkino im Filmhaus Bielefeld. Jeden Freitag ausgesuchte Filme.

Stadt in Angst
3. Februar
Bad Day at Black Rock
USA, 1955
81min, 35mm, CS, DF
Regie: John Sturges
Mit Spencer Tracy, Robert Ryan, Anne Francis, Ernest Borgnine, Lee Marvin u. a.
Es läuft also auf einen Gerechtigkeitsfilm hinaus, einer gegen alle (bzw. auf die Frage, ob er wirklich allein bleiben muss), Aufklärung der Wahrheit, Aufbrechen von Hüllen der Lüge und des Schweigens, Anklage gegen Engstirnigkeit, Selbstjustiz, Gewalt, Fremdenhass, Kampf um einer gerechten Sache willen. Man mag denken: "Das habe ich schon mehr als einmal gesehen", doch dieser Film gehört zu den gehobenen Exemplaren seiner Gattung. Das Thema war im Entstehungsjahr 1955 in Hollywood recht mutig. Das war die Zeit von Senator McCarthy und von antikommunistischen Hexenjagden in Hollywood, doch die Schergen des HUAC (House Committee on Unamerican Activities) waren offenbar so sehr auf die Kommunistenjagd fixiert, dass ihnen entgangen ist, wie man noch unter ganz anderen Aspekten das heile USA-Bild ankratzen kann. Nicholas Schenk, der damalige MGM-Präsident, war gegen die Produktion, da er sie für „subversiv“ hielt. Dem Film wurde, ähnlich wie zuvor bereits Zwölf Uhr mittags, vorgeworfen, unterschwellige Kritik an der Antikommunismus-Politik des Senators Joseph McCarthy zu üben. Ironischerweise zählen beide Werke zu den Filmen, die am häufigsten im Weißen Haus gezeigt wurden.
Thematisiert wird Fremdenhass im Allgemeinen und Japanerhass im Besonderen. Der Film verschweigt nicht, dass es Internierungslager für Japaner und japanischstämmige US-Amerikaner gab, in die man bloß deswegen kam, weil man japanischer Abstammung war. Der Film lässt keinen Zweifel daran, dass die Japanerfeindlichkeit von Smith weit über ein einmaliges Durchdrehen anlässlich des Pearl-Harbor-Schocks hinausgeht. Das Etikett "Message Movie" ist hier in einem sehr positiven Sinne zu verwenden.
„Ein Film in der Szenerie des Westerns, der an Hemingway und auch ein wenig an Graham Greene erinnert. (…) Auf hohem Niveau spannend inszeniert, mit einer hervorragenden schauspielerischen Leistung von Spencer Tracy.“ Lexikon des internationalen Films
Daheim sterben die Leut'
10. Februar
BRD 1985
Regie und Drehbuch: Leo Hiemer mit K. Gietinger
98 Min., 35mm
Mit Walter Neuber, Luise Zodel, Norbert Hauber, Anni Raps u.a.
Daheim sterben die Leut? – Nein, im Film stirbt niemand und „beim Postwirt ist die letzten 80 Jahre auch keiner mehr gestorben!“ stellt Opa Allgeier schlitzohrig fest. Also alles in Ordnung? - Mitnichten! Eine Fernwasserleitung muss her – jedenfalls wenn es nach dem Landrat geht. Bauer Hans Allgeier aber ist dagegen, weil er eine eigene Quelle besitzt. Doch die Quelle versiegt und die Wasserspiele können beginnen: der Pfarrer fällt ins Wasser und sieht seine Felle schon davonschwimmen, ein Gesundbeter verspritzt Weihwasser gegen den Teufel und den Landrat, der prompt von einem grässlichen Harndrang befallen wird. Und wenn Stadtfrau und Bauernbub miteinander nächtigen, scheint sogar der Teufel seine Hand im Spiel zu haben... – Aber das Imperium schlägt zurück und Bauer Allgeier gerät immer mehr in den Schlamassel. Am Schluss ist nichts mehr wie es war und das Ende der Tradition gekommen.
Der Kampf Bauer Allgeier's gegen eine Zentralisierung der Wasserversorgung entwickelt sich zum grotesken Duell zwischen Stadt und Land, Tradition und Fortschritt, Bauernschläue und Behörden-Dummheit. Die kritische und zugleich liebevolle Darstellung bundesdeutscher Provinzwirklichkeit besitzt Witz und Originalität. Der ideenreiche "Heimatfilm" ist voller boshaftem Charme!
"Hintergründige Mixtur aus Politik, Sozialstruktur, Aberglauben, Alt-Bauern-Charme und freier Liebe." (Münchner Abendzeitung)
"...gegen Kirche, Staat und Autorität. In beleidigender Weise degoutant." (Aus der Ablehnungsbegründung der Filmförderungsanstalt FFA von 1983)
„ Eine Satire über Bizarre Bräuche, Obrigkeitshörigkeit und Bigotterie im Allgäu.“ Der Spiegel
Fargo
17. Februar
Regie: Joel und Ethan Coen
USA 1996
95 Min., 35mm
Mit Frances McDormand, William H. Macy, Steve Buscemi u. a.
Mit ihrem sechsten Film wurden Ethan und Joel Coen auch in Europa und weltweit bekannt. Der Film über die „irgendwie Schrägen“ Typen, brachte sowohl Frances McDormand den Academy Award für die beste Hauptdarstellerin als auch den Coens für das beste Drehbuch.
„Mit ‚Fargo‘ ist ohne Zweifel eine der bösesten und schwärzesten Komödien der 90er entstanden, die ihr Publikum mitnimmt in eine Welt zwischen himmlischer Harmonie und blutiger Brutalität.“ Filmstarts.de
Abschied von Matjora
24. Februar
Proshchanie s Matyoroy
Regie: Elem Klimow & Larisa Sepitko
UdSSR 1983
126 Min., 35mm
Mit Stefaniya Stanyuta, Lev Durov, Aleksei Petrenko u. a.
Auf die Freigabe zur Aufführung musste Klimow drei Jahre warten. 1984 wurde sein Film nicht für die Berlinale freigegeben, erst 1987 lief er aufgrund von "Glasnost" und "Perestroika" in der Wettbewerbssektion außer Konkurrenz.
"Ein bewegender Film, der ohne Sentimentalität zutiefst humane Positionen bezieht, der klar Partei ergreift für Natur, Tradition und allgemeingültige Werte. 'Abschied von Matjora’ ist ein eindringlicher Appell an die Menschheit, denn 'Matjora' ist unser Erdendorf." (Hans Messias, film-dienst)



