Unsere Filme im Mai - Alles nur geklaut
Ocean’s Eleven
31.05.

Elf Gauner müsst ihr sein.
Nach einer mehrjährigen Haft wegen Diebstahls setzt Danny Ocean gerade die ersten Schritte in die Freiheit (Entlassung auf Bewährung), da plant er schon seinen nächsten Coup. Seinem Freund Rusty unterbreitet er einen raffinierten Plan, um nicht ein, nicht zwei, sondern gleich drei Casinos in einer Nacht auszurauben. Um diesen Plan über die Bühne zu bringen, benötigt es natürlich mehr Manpower, und so machen sich die beiden daran rasch ein elfköpfiges Team aus Spezialisten zusammenzustellen. Was soll jetzt noch schief gehen? Das fragt sich auch Rusty, der hinter Dannys Motivation für den Raubzug mehr wittert als nur das Geld und den Spaß an der Sache. Zufälligerweise gehören nämlich alle drei der anvisierten Casinos dem Las Vegas-Tycoon Terry Benedict, der sich während Dannys Haft mit dessen Noch-Ehefrau Tess liiert hat…

„Remake der Gaunerkomödie „Frankie und seine Spießgesellen“ (1960), das mit einem bestechenden Darsteller-Ensemble aufwartet und von inszenatorischer Meisterschaft zeugt. In der Bescheidenheit, nicht mehr als perfekte Unterhaltung bieten zu wollen, liegt die außergewöhnliche Leistung des raffiniert komponierten Films.“ filmdienst.de

Die Deutsche Film- und Medienbewertung in Wiesbaden verlieh dem Film das Prädikat „wertvoll“ mit der Begründung: „[Ein] raffiniertes Gaunerstück, präzise und absolut cool in Szene gesetzt, das nicht nur dem betroffenen Casino-Besitzer Hochachtung abverlangt. […] Kein geringerer als Oscar-Preisträger Steven Soderbergh garantierte vielmehr eine auf viel höherem Niveau angesiedelte Geschichte, deren Vorzüge in brillanten darstellerischen Leistungen und ausgefeilten Dialogen zu finden sind […] Und, was besonders zu erwähnen sei: trotz der knisternden Spannung passt sich die musikalische Begleitung wohltuend zurückgenommen dem kühl geplanten und ebenso ruhig durchgeführten Raubfeldzug der 12 Verschworenen an.“

Die stylische Komödie überzeugte dermaßen, dass kurz darauf zwei Sequels („Ocean’s 12/Ocean`s Twelve“, „Ocean’s 13/Ocean`s Thirteen“) folgten, bei denen Steven Soderbergh ebenfalls Regie führte. Ein Ableger mit rein weiblicher Besetzung („Ocean’s 8/Ocean`s Eight“) von Gary Ross erschien im Jahr 2018 in den Kinos.

(Textverantwortlich: LV)

Ocean’s Eleven Still
Unsere Filme im Juni - Auf Abwegen
The Wanderers – Terror in der Bronx
07.06.

In „The Wanderers“ geht es um das Ende der 1970er Jahre alles beherrschende Thema der Bandengewalt in den USA. Kurz nach Walter Hills ikonografischem Meisterwerk „The Warriors“ veröffentlichte Philip Kaufmann einen weiteren Kultfilm mit Handlungsort New York.
Die italoamerikanischen „Wanderers“ mit ihrem charismatischen Anführer Richie (Ken Wahl in seiner ersten Rolle) stehen in ständigem Konflikt mit den afroamerikanischen Del Bombers, den glatzköpfigen Fordham Baldies und den skrupellosen irischstämmigen Ducky Boys.
Die fast ausschließlich männlichen Protagonist_innen versuchen häuslicher Gewalt oder Alkoholmissbrauch und Vernachlässigung durch die Eltern, über Freundschaft und Loyalität innerhalb der eigenen Gang zu entkommen. Doch wie soll es weitergehen, wenn alkoholgetränkte nächtliche Ausflüge in Rekrutierungen für die Armee enden oder die ersten unbeholfene Annährungsversuche gegenüber dem weiblichen Geschlecht in ungewollte Teenagerschwangerschaften münden? Nur eines ist klar: The Times They Are a-Changin‘.

Drehbuchautor Richard Price verdichtet die lose zusammenhängenden Episoden seines gleichnamigen Romans zu einem repräsentativen Zeitportrait der USA in den 1960er Jahren. Philip Kaufman setzt den Stoff als gelungenen, sich von alberner rassistischer und sexistischer Teeniekomödie hin zum Drama entwickelnden Coming-of-Age-Film in Szene. Dies alles wird abgerundet durch einen brillianten Soundtrack und die großartige Kameraarbeit von Michael Chapman (u.a. „Taxi Driver“, „Wie ein wilder Stier“).

(Textverantwortlich: VV)

The Wanderers – Terror in der Bronx Still
Perpetrator (& Kurzfilm: White Trash Girl: The Devil Inside)
14.06.

Bielefeld-Premiere

Die taffe Jonny ist unerschrocken, geradeheraus, knackt Schlösser mit links und scheint ganz gut für sich sorgen zu können. Ihrem alleinerziehenden Vater steckt sie Geld für die Miete zu. Die Beziehung der beiden ist brüchig und doch seltsam symbiotisch. Der überforderte Vater entscheidet sich, Jonny zu einer entfernten Tante zu schicken. Doch auch in der Obhut der strengen Hildie kommt der Teenager nicht zur Ruhe. Zu ihrem 18. Geburtstag bekommt Jonny einen Kuchen, gebacken nach magischem Familienrezept, der eine radikale Metamorphose auslöst. An ihrer neuen Schule verbreiten die ständigen Amok-Notfall-Übungen eine angespannte Atmosphäre und bald werden dort fünf Mädchen vermisst. Von ihrem Verschwinden auf unerklärliche Weise angezogen begibt sich Jonny auf Spurensuche, und eine blutgetränkte Coming-of-Age-Geschichte nimmt ihren Lauf.

Ich freue mich, dass wir mit dem aktuellen Film „Perpetrator“ endlich ein Werk der US-amerikanischen Filmemacherin Jennifer Reeder auch im Offkino präsentieren, das sich dadurch auszeichnet, einen düsteren, queer-feministischen Genre-Mix aus Body Horror, Gore und Mystery bereitzuhalten. Wie schon in früheren Werken von Reeder blickt sie dabei vor allem durch die Augen ihrer jungen Protagonistinnen, die der verdrehten Welt der Erwachsenen mit bissigem Humor und ungebrochenem Gerechtigkeitssinn Momente der Leichtigkeit und Solidarität abtrotzen.
(Textquelle: Berlinale.de)

Vor „Perpetrator“ können wir außerdem noch Reeders Indie-Kurzfilm „White Trash Girl: The Devil Inside“ (USA 1996, 8 Min., digital, OV) zeigen, der der erste Teil der Serie „Clit-o-matic: The Adventures of White Trash Girl!“ ist.
White Trash Girl kommt in unsere Welt und erlangt ihre Superkräfte, mit denen sie und ihre Bande die misogyne Männerwelt das Fürchten lehrt.

Trigger-/Contentwarnung

(Textverantwortlich: KE)

Perpetrator (& Kurzfilm: White Trash Girl: The Devil Inside) Still
Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums
21.06.

Bielefeld-Premiere!

Gleißende Sonne, blaues Wasser, endlich Ferien! Es ist ein heißer Sommertag in El Paso, Texas, als sich die beiden mexikanisch-amerikanischen Jungen Aristoteles und Dante 1987 im Schwimmbad treffen. Bis auf ihre philosophischen Namen scheinen sie wenig Gemeinsamkeiten zu haben: Ari kann nicht schwimmen und Dante liebt das Wasser. Ari ist unsicher und in sich gekehrt, Dante ist selbstsicher und aufgeschlossen. Aris Eltern reden nicht über seinen inhaftierten Bruder, während Dante mit seinen Eltern alles teilt. Trotzdem freunden sich die beiden Einzelgänger an und verbringen einen Sommer damit, überall barfuß zu laufen, den Nachthimmel in der Wüste beobachten, und die Welt aus der Sicht des Anderen zu sehen. Doch dann zieht Dante mit seinen Eltern nach Chicago – und die aufblühende Freundschaft gerät ins Wanken.

Basierend auf Benjamin Alire Sáenz‘ Coming-of-Age Roman erzählt Aitch Albertos Regie-Debut die Geschichte von zwei Teenagern auf Abwegen, während sie versuchen, sich durch die Wirrungen von Freundschaft, (Homo-)Sexualität, Maskulinität und mexikanischer Identität einen Weg zu suchen. Peter Debruge schrieb für Variety: „Yes, it’s a love story, but it’s also an incredibly beautiful exploration of intersectionality and trying to make sense of one’s multidimensional identity — of growing up Latino in a bilingual household, of finding room to be sensitive in a society that celebrates machismo.

Auch wenn der Film manchmal etwas wackelig ist, so glänzt er doch umso mehr in der Performance der zwei Hauptdarsteller, welche dank „der stimmigen Chemie […] die tiefe Verbundenheit zwischen den titelgebenden jungen Helden glaubhaft zum Ausdruck [bringen].“ kino-zeit.de

(Textverantwortlich: LF)

Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums Still
Kaltblütig
28.06.

Der wohl erste richtige True-Crime-Film und zugleich bereits ein Höhepunkt. Basierend auf dem gleichnamigen Tatsachenroman von Truman Capote, mit dem er Wegbereiter des „New Journalism“ war, wird ein aufsehenerregendes Verbrechen erzählt, das sich 1959 im US-Bundesstaat Kansas ereignete. Von der Planung des Überfalls, dem gescheiterten Raub, dem Mord, über die Fahndung und die Gerichtsverhandlung bis hin zum Urteil wird der Fall detailliert rekonstruiert.

Richard Brooks, der sich zum Ende der Studio-Ära einen Namen für Literaturverfilmungen gemacht hat („Elmer Gantry“, „Die Katze auf dem heißen Blechdach“), hat sich größtmögliche Authentizität gewünscht und sich dazu entschieden, an den Originalschauplätzen in Kansas zu drehen. Etwas, das für die damalige Zeit – so weit entfernt von Hollywood –, äußerst unüblich gewesen ist. Dass er so weit gegangen ist, nicht nur die Hauptrollen mit möglichst ähnlich aussehenden, unbekannten Schauspielern zu besetzen und die echten Geschworenen zu casten, sondern auch an dem Ort des Verbrechens selbst zu drehen, dürfte die ethische Frage aufwerfen, wie weit man Fiktion an die Realität heranholen darf.

Nach dem Western-Klassiker „Die gefürchteten Vier“ war dies der zweite Film, den Brooks mit der Kamera-Legende Conrad L. Hall gedreht hat, von dem wir vor Kurzem „Der Unbeugsame“ im Offkino gezeigt haben. Obendrein steuerte der berühmte Komponist und Musikproduzent Quincy Jones die Filmmusik bei. Der Lohn für die „kongeniale Verfilmung, im Doku-Stil und mit komplexen Rückblenden“ (Cinema) waren vier Oscar-Nominierungen in den Kategorien Kamera, Filmmusik, adaptiertes Drehbuch und Regie.

(Textverantwortlich: JR) 

Kaltblütig Still
Unsere Filme im Juli - Auf Abwegen (Teil 2) || SOMMERPAUSE ab dem 19.07.
Die verlorene Ehre der Katharina Blum
05.07.

Katharina Blum (Angela Winkler) verbringt die Nacht mit einem Mann (Jürgen Prochnow), den sie am Abend erst kennengelernt hat. Am nächsten Morgen wird die Wohnung von der Polizei gestürmt und Katharina wird darüber aufgeklärt, dass es sich bei Ludwig um einen Terrorverdächtigen handele. Unter dem Vorwurf, Ludwig zur Flucht verholfen zu haben, wird Katharina vorläufig festgenommen und verhört. Die „ZEITUNG“ stellt den Verdacht gegen Ludwig und Katharina als Tatsache dar und zerrt die unbescholtene Frau mit verfälschten Aussagen und Schlagzeilen in die Öffentlichkeit. Nach und nach wird Katharinas gesellschaftliche Stellung durch die Sensationsgier und Reichweite der „ZEITUNG“ zerstört.

Ähnlichkeiten mit gewissen journalistischen Praktiken sind weder beabsichtigt noch zufällig, sondern unvermeidlich.“ Mit dieser Texteinblendung am Ende macht der Film nochmal seinen Standpunkt klar. Vor dem Hintergrund des Terrors der RAF Mitte der 1970er Jahre setzt sich der Film, wie auch die Vorlage des Literaturnobelpreisträgers Heinrich Böll, kritisch mit einer sensationsgierigen und nur nach Auflage strebenden Boulevardpresse auseinander. Die Verweise in den zu Bölls Erzählung veröffentlichten Illustrationen waren so offensichtlich, dass der Springer-Verlag gerichtlich gegen den „Spiegel“ vorging, in dem die Erzählung veröffentlicht wurde.

Der Film war das Regie-Debüt von Margarethe von Trotta, die zu der Zeit mit Volker Schlöndorff verheiratet war und zuvor mit ihm als Schauspielerin, Drehbuchautorin und Regie-Assistentin zusammengearbeitet hat. Obwohl beide zusammen Regie geführt haben, wird in dem Trailer zum Film aufgrund der Bekanntheit nur Schlöndorff als Regisseur genannt. Doch in den kommenden Jahren sollte von Trotta zu einer ebenso angesehenen Regisseurin im deutschen Film werden.

(Textverantwortlich: JR) 

Die verlorene Ehre der Katharina Blum Still
Silvia Prieto (Regisseur am Filmabend anwesend!)
12.07.

Wir freuen uns riesig: Regisseur Martín Rejtman gibt uns die Ehre, wenn wir diesen mehrfach ausgezeichneten Meilenstein des Nuevo Cine Argentino mit den argentinischen Indiepop-Ikonen Rosario Bléfari und Vicentico zeigen. Q&A auf Englisch, span. / dt. Übersetzung bei Bedarf!

An ihrem siebundzwanzigsten Geburtstag beschließt Silvia, ihrem Leben eine radikal neue Wendung zu geben. Erste Maßnahmen: ein neuer Job, Anschaffung eines stummen Kanarienvogels, eine Reise ans Meer. “Buoyed by its fanciful, rapid-fire dialogue and at times hilariously absurd story,  Silvia Prieto is saturated by a Pop sensibility that belies a gently ironic fascination with bright logos, television slogans and the rich contradictions of consumer culture. … Rosario Bléfari … brings a spontaneous grace to her portrayal of Silvia Prieto as a young woman spinning at a crossroads of her own design. …  Silvia Prieto offers an affectionate portrait of romantic folly that, at its end, reveals an unexpected bridge to Rejtman’s lesser-known documentary work.  Harvard Film Archive

Martín Rejtman (*1961) studierte Film und Regie in Buenos Aires und New York, arbeitete als Filmeditor in der Cinecittà und hat mehrere Bände Kurzgeschichten veröffentlicht. „Rapado“ (1992), sein Langfilmdebüt, brach völlig mit den Sehgewohnheiten des argentinischen Publikums. Seine Filme wirken wie absurde Versuchsanordnungen, bei denen seine sympathischen, aber schrulligen Charaktere ihren Alltag mal mittels schräger Strategien, mal in lakonischer Apathie bewältigen. Rejtmans abgründige Komödien erinnern an Kaurismäki, Jarmusch und Tati, daneben hat er auch Dokumentarfilme gedreht.

Eine Kooperation mit CALAS Maria Sybilla Merian Center for Advanced Latin American Studies und CIAS Center for InterAmerican Studies / Centro de Estudios Interamericanos und Vergleichende Literaturwissenschaft / Romanistik, Universität Bielefeld.
 

(Textverantwortlich: AR)

 

Silvia Prieto (Regisseur am Filmabend anwesend!) Still
Unsere Filme im August - SOMMERPAUSE! Am 06.09. geht`s weiter :)