Unsere Filme im Mai - Namen
Tatjana – Take Care Of Your Scarf
22.05.

Der schweigsame Schneider Valto und der redselige Mechaniker Reino könnten unterschiedlicher kaum sein: Während der eine literweise Kaffee trinkt, trinkt der andere nur Alkohol. Gemeinsam machen sie sich in einem schwarzen Wolga auf eine Reise durch den Süden Finnlands. Unterwegs begegnen sie der Russin Klavdia und der Estin Tatjana. Trotz Sprachbarrieren und anfänglicher Unsicherheiten entwickelt sich zwischen den vier so verschiedenen Menschen eine vorsichtige Nähe.

Mit wie immer meisterhaft minimalistischem Stil und feinem Gespür für Zwischentöne erzählt Kaurismäki von Begegnungen jenseits von Worten. In einem Spiel aus Gesten, Blicken und Missverständnissen entsteht eine ebenso zarte wie eigenwillige Annäherung. Gleichzeitig lässt sich der Film auch als subtile Reflexion über Geschlechterrollen und die Beziehungen zwischen Finnland, Estland und Russland lesen.

Egal was man nun in Kaurismäkis Tragikomödie interpretieren will, es ist und bleibt ein wunderbarer Film. Wie man es von Kaurismäki gewohnt ist, findet sich auch hier ein trockener, manchmal zynischer Humor wieder. Aber auch Momente zwischenmenschlicher Zärtlichkeit und Melancholie. Besonders gekonnt spielt er in Tatjana mit den Dialogen, vor allem, da er sich drei unterschiedlicher Sprachen bedient.“ Marco Rauch

Die Produktion wurde 1995 mit dem Jussi (Finnlands nationaler Filmpreis) als Bester Film ausgezeichnet. Außerdem gewann Kameramann Timo Salminen einen Preis für seine Kameraarbeit.

(Textverantwortlich: KE)

Tatjana – Take Care Of Your Scarf Still
„Scoops of Glory“ – Live Holzschnittfilm
28.05.

Eintritt: 12€, ermäßigt 10€

Bielefeld-Premiere!

Der Brüsseler Künstler Bob Nichols hat in den letzten Jahren seine ganz eigene Art der Filmproduktion entwickelt, die er gerne als „live bearbeitete Holzschnittfilme“ bezeichnet. Das bedeutet: ein Film ohne Leinwand, der von ihm live unter Verwendung von mehr als 300 Holzschnitten präsentiert wird!
Wir freuen uns sehr, dass er heute  mit seinem neuen Film bei uns im OFFKINO zu Gast ist – einem Krimi-Thriller, der in der gnadenlosen Welt des Eiscreme-Geschäfts spielt: „Scoops of Glory“.

https://www.instagram.com/santeloisirs/

Wir veranstalten den Extra-Termin/Abend in Kooperation mit unseren Nachbar_innen „Artists Unlimited“!

(Textverantwortlich: KE)

„Scoops of Glory“ – Live Holzschnittfilm Still
Rebecca
29.05.

„Rebecca“ beginnt mit der berühmten Rückblende: Die namenlose Erzählerin berichtet aus dem Off von einem Traum über das verfallene Anwesen Manderley– ein Hinweis darauf, dass die Geschichte tragisch enden wird. Aber mehr will hier nicht verraten werden…Basierend auf dem Roman von Daphne du Maurier erzählt der Film die Geschichte einer schüchternen jungen Frau, die den wohlhabenden Witwer Maxim de Winter heiratet und auf sein prachtvolles Anwesen Manderley zieht. Dort wird sie von der allgegenwärtigen Erinnerung an seine erste Frau Rebecca verfolgt – besonders durch die unheimliche Haushälterin Mrs. Danvers.

Oft zitiert und hervorgehoben wurde das Urteil von Roger Ebert, US-amerikanischer Filmkritiker, Drehbuchautor und Journalist. Er prägte das Genre der populären Filmkritik wie kein anderer, gewann 1975 als erster Kritiker den Pulitzer-Preis. „Rebecca ist keine Geistergeschichte, sondern eine Geschichte darüber, wie Menschen von Erinnerungen und Vorstellungen beherrscht werden.“Ebert betont weiter, dass der Film seine Wirkung nicht durch sichtbaren Horror erzielt, sondern durch psychologische Spannung: Die titelgebende Figur Rebecca erscheint nie, ist aber dennoch ständig präsent und beeinflusst alle anderen Figuren. Zudem hebt er hervor, dass Alfred Hitchcock hier weniger auf klassische Thriller-Elemente setzt, sondern stärker auf Atmosphäre, Andeutungen und innere Konflikte.

Ein meisterhaft inszenierter Gothic-Thriller, der durch Atmosphäre und psychologische Tiefe überzeugt.“ rotten tomatoes

Hitchcock zog Ende der 1930er Jahre von Großbritannien in die USA, nachdem ihn der Produzent David O. Selznick unter Vertrag genommen hatte. Selznick war bereits durch Filme wie „Gone with the Windbekannt und wollte Hitchcock in Hollywood etablieren. „Rebeccamarkiert Hitchcocks Übergang vom britischen zum amerikanischen Kino. Es ist demnach sein erster Hollywood-Film der ihm gleich einen Oscar einbrachte.

(Textverantwortlich: JU)

Rebecca Still
Unsere Filme im Juni - Drüber
Die Tote von Beverly Hills
05.06.

In den Hügeln von Beverly Hills wird von einem deutschsprachigen Autor die Leiche einer jungen Frau entdeckt. Doch nach Entdeckung des Tagebuchs wird offenbar, dass die vermutete „Unschuld vom Lande“ ein äußerst abwechslungsreiches Liebesleben hatte. Die absurde Krimi-Handlung wird zunehmend zur Rahmenhandlung für die in Rückblenden erzählte Lebensgeschichte der jungen Frau. Diese befreit sich darin aus der Rolle des „Sex-Objekts“ und rächt sich an der Männerwelt, indem sie ihren Sex-Appeal bewusst einsetzt, um die dafür empfänglichen Männer anzuziehen und sie dann gefügig zu machen.

Trotz seiner Premiere im Wettbewerb der Filmfestspiele von Cannes geriet „Die Tote von Beverly Hills“ lange in Vergessenheit. Dabei ist der Film eine faszinierende Zeitkapsel des westdeutschen Kinos der 1960er Jahre: Karikatur von Biederkeit der Adenauer-Ära und des American Way of Life, Aufgreifen der Krimi-Welle der 60er Jahre, sexuelle Aufbruchstimmung, Experimentierfreude im Geiste der Nouvelle Vague und aufkommendem Neuer Deutscher Film, sowie Pop-Art und Klamauk. Während die Krimi-Handlung in Schwarz-Weiß gehalten ist, sind die Rückblenden eine wahre Farbexplosion, wie man sie selten im deutschen Kino zu sehen bekommen hat. Die Fülle an unterschiedlichen Genres und Stilen gehört dabei zum Regie-Konzept, das stets Erwartungen untergraben will: Handlungsstränge lösen sich willkürlich auf und Verdächtige kommen und gehen. Gedreht wurde größtenteils ohne Drehgenehmigung im Großraum Los Angeles, wo sich die Produktion „in Hollywoods Hinterhof“ schlich. Der Regisseur Michael Pfleghar drehte aufgrund der Krise des deutschen Kinos nur noch wenige Kinofilme und wandte sich dem Fernsehen zu, wo er die Nonsens-Comedy-Show „Klimbim“ entwickelte und inszenierte.

(Textverantwortlich: JR)

Die Tote von Beverly Hills Still
Wanda
12.06.

Bielefeld-Premiere!

„Für Wanda gibt es ein Publikum. (…) Man muß es nur finden und es darauf aufmerksam machen, daß es diesen Film gibt.“  Marguerite Duras

Eine Frau, Wanda Goronski (Barbara Loden), streift scheinbar ziellos durchs ländliche Pennsylvania. Hinter sich lässt sie einen Mann, der die Scheidung einreichte, ihren prekären Job in der Fabrik, ihre Kinder. Um sich herum: Industriegebiete, Ödnis, Shopping Malls, Parkplätze, heruntergekommene Bars – erschütternde Alltäglichkeit, pseudodokumentarisch schlicht in Szene gesetzt. Ein Ziel ist erstmal nicht in Sicht – Wanda driftet durch das amerikanische Hinterland, begegnet Männern, die sie aufgabeln und wieder verlassen. Bis sie auf den Kleinganoven Mr. Dennis (Michael Higgins) trifft und beide den gleichen Weg einschlagen, zwischen kleinen Betrügereien und größeren Plänen.

Bei den Filmfestspielen in Venedig gewann „Wanda“ 1970 den Kritikerpreis. Danach wurde es still um den Film, der seinerzeit nur wenige Aufführungen erhielt und später nur vereinzelt an einigen Colleges oder Festivals lief. Er verschwand schnell aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit und wurde spätestens seit den 1990er Jahren wieder breiter als feministischer Film diskutiert. Nachdem 2007 zufällig die Filmdosen mit dem originalen Filmmaterial kurz vor dem Schreddern entdeckt und gerettet werden konnten, wurde der Film restauriert. Ein systematisches Kinorelease gibt es erst jetzt und somit freuen wir uns riesig, „Wanda“ auch erstmalig in Bielefeld zeigen zu können!

Wanda ist ein Film ohne Telos, ohne Heldin oder Held, aber mit einem ungemein klaren Blick auf seine Hauptfigur. Ein Blick, der von einer intimen Kenntnis, einem tiefen Verständnis zeugt.“ Annette Brauerhoch, critic.de

(Textverantwortlich: KK)

Wanda Still
La Raya
19.06.

Bielefeld-Premiere!

Weitere Infos folgend bald!

(Textverantwortlich: AR)

La Raya Still
Alpha
26.06.

Bielefeld-Premiere!

Im Frankreich der 1980er Jahre bricht eine rätselhafte Epidemie aus, die Menschen langsam in Marmorstatuen verwandelt. Inmitten dieser bedrohlichen Zeit kämpft die 13-jährige Alpha mit ihrer eigenen Verwandlung – dem schmerzhaften Übergang zwischen Kindheit und Erwachsenwerden. Als mysteriöse Gerüchte über eine Infektion die Runde machen und ihr furchtloser Onkel Amin auftaucht, gerät das fragile Gleichgewicht ihrer Familie endgültig ins Wanken.

Ducournaus neuester Film, den wir mit diesem Screening auch nach Bielefeld bringen, vereint das für sie charakteristische diskursive und emotional aufgeladene Körperkino, präsentiert sich jedoch zugleich als ihr bislang stillster und melancholischster Film. Während „Raw“ und der Cannes-prämierte „Titane“ mit Szenen arbeiteten, die Zuschauer_innen auch zum Wegsehen zwangen, erscheint „Alpha“ deutlich weniger konfrontativ. Seine Wirkung entsteht weniger aus Schock oder Ekel als vielmehr aus dem spannungsvollen Wechselspiel zwischen Abstoßung und Faszination.

„‚Alpha‘ ist mutig und revolutionär, ein Film, der Familie nicht als sozial codiertes Beziehungsgeflecht denkt, sondern als innige Verbundenheit unter Individuen. Es sind keine Funktionen wie Bruder, Mutter, Tochter, sondern einander innig liebende Menschen, die gemeinsam eine Apokalypse durchmachen, die von Seuchen und Heroinsucht geprägt ist. ‚Alpha‘ ist eine poetisch visualisierte Erzählung über Träume und inneren und äußeren Horror.“ Natalie Brunner

Musikalisch hat „Alpha“ einen grandiosen Soundtrack mit Beiträgen von Portishead, Ludwig van Beethoven, Tame Impala und Nick Cave zu bieten!

(Textverantwortlich: KE)

Alpha Still
Unsere Filme im Juli - Drüber
Der Mafiaboss – Sie töten wie Schakale
03.07.

Am 8. April diesen Jahres ist der großartige Mario Adorf im Alter von 95 Jahren gestorben. Sein umfangreiches Werk als Schauspieler umfasst allein zeitlich mehr als ein halbes Jahrhundert und reicht thematisch vom westdeutschen Nachkriegskino bis zum Neuen Deutschen Film, vom Genrekino bis zum Kinderfilm.Im “Mafiaboss” ist Mario Adorf in Höchstform und liefert eine geradezu irrwitzige Performance ab.

Zur Story: Nachdem beim Transport von Italien in die USA eine lukrative Ladung Heroin abhandengekommen ist, schickt ein New Yorker Pate zwei Killer nach Mailand, um den dortigen Mafiaboss (Adolfo Celi) in die Mangel zu nehmen. Fälschlicherweise wird behauptet, ein unbedeutender Zuhälter, Luca Canali (Mario Adorf), hätte die Lieferung veruntreut. Die Killer aus New York und die Mailänder Mafia beginnen die Jagd auf Canali. Die Schlinge zieht sich enger, die Stadt wird zum Hexenkessel für ihn und doch gelingt es dem hartgesottenen und einfallsreichen Kleinkriminellen Canali, sich gegen seine Verfolger zu wehren.

In den „bleiernen Jahren“ in Italien boomte die Produktion von allerlei Polizei- und Gangsterfilmen, auf der Leinwand schossen und prügelten sich übellaunige Cops und Knochenbrecher der Mafia und lieferten sich Verfolgungsjagden durch italienische Großstädte. Korruption und Justizskandale wurden dabei ebenso verhandelt wie soziale Unruhen, Reformentwicklungen und Terrorismus – nur nicht als elaboriertes Sozialdrama, sondern als populäre Exploitationfilme mit typischen Schauwerten.

Di Leos zweiter Teil seiner Milieu-Trilogie kennt keine Gnade: er ist sleazy, brutal, actionreich, kompromisslos. Mit einem Wort: drüber. Mit einem furiosen Mario Adorf, der buchstäblich mit dem Kopf durch die Wand geht, aber auch mal eine Katze streichelt.

(Textverantwortlich: KK)

Der Mafiaboss – Sie töten wie Schakale Still
Desperate Living
10.07.

Nach dem Mord an ihrem Ehemann erklären sich die neurotische Vorstadt-Hausfrau Peggy Gravel und ihre Hausangestellte Grizelda Brown bereit, nach Mortville verbannt zu werden, einer improvisierten Stadt voller Außenseiter_innen und Freaks. Die beiden werden dort allerdings nur widerwillig von Mole aufgenommen, die sich sehnlichst eine Geschlechtsumwandlung wünscht, um ihre Geliebte Muffy endlich vollkommen zufriedenstellen zu können. Schon bald entdecken sie jedoch einen gemeinsamen Feind: die tyrannische Königin Carlotta. Gemeinsam kämpfen sie für die Freiheit Mortvilles…

John Waters – großartiger Filmemacher, einzigartiger „Pope of Trash“ – hat im April diesen Jahres seinen 80. Geburtstag gefeiert: happy birthday again!Wir haben schon viele seiner brillanten Filme gezeigt, über die im Stil etwas gemäßigteren und kommerziell erfolgreichen Filme wie „Hairspray“ (1988) und „Cry Baby“ (1990) bis hin zu seinen extremeren und nicht weniger bekannten Underground-Filmen, wie der legendäre „Pink Flamingos“ (1972). Seine Filme lassen viel Raum für Freaks und Außenseiter_innen, dabei nie peinlich plakativ oder voyeuristisch agierend, sondern liebevoll mittendrin, satirisch, und die volle Bandbreite auskostend. „Desperate Livingist Teil der berüchtigten „Trash Trilogy“ neben dem schon genannten „Pink Flamingos“ und „Female Trouble“, der sämtliche Tabus bricht und die Grenzen des guten Geschmacks bis zum Äußersten auslotet. Er ist – wie alle Filme von John Waters – bewusst laut, grenzwertig, queer, witzig, weird, grotesk, satirisch, pervers. Wer schräge Figuren, grelle Outfits und die besondere Art von Waters‘ Humor und Provokation mag, ist in Mortville – und in „Desperate Living“ genau richtig.

Die Vorführung von „Desperate Living findet im Rahmen einer kleinen Kinotour der 35mm-Kopie statt: Die seltene Filmkopie wird gemeinsam über unser „Kino Climates“-Netzwerk aus dem Ausland importiert und in ausgewählten Kinos gezeigt!

(Textverantwortlich: KE)

Desperate Living Still
Mars Attacks!
17.07.

Jede_r hat eine zweite Chance verdient – auch einige hundert ziemlich eklig aussehende Marsianer, die rasch nach ihrer Ankunft erst eine Friedenstaube und dann das ganze menschliche Begrüßungskomitee live im Fernsehen pulverisieren. Das ist zumindest die Meinung des amerikanischen Präsidenten James Dale (Jack Nicholson) und einiger anderer wichtiger Amtsträger.So werden die kleinen grünen Männchen mit offenliegenden Riesenhirnen umgehend zur Klärung dieses Missverständnisses und Erklärung ihrer friedlichen Absichten vor den Kongress in Washington D.C. geladen. Doch nachdem auch dieses Aufeinandertreffen in einem Massaker endet und bereits kurz darauf weltweit unzählige Städte durch hunderte UFOs ausgelöscht werden, sieht sich die Menschheit nun endlich gezwungen, gegen die Aliens vorzugehen. Doch wie soll man bloß einen Feind vernichten, der selbst das Helium einer Nuklearrakete inhaliert wie Lachgas?

Inspiriert von einem gleichnamigen grotesk-brutalen Sammelkartenspiel, entwickelte Tim Burton die Idee für „Mars Attacks!“, während er seinen Film „Ed Wood“ (1994) vorbereitete. So erwies er Filmen von Wood und unzähliger anderer Science-Fiction B-Movies wie „Invasion der Körperfresser“ (1956) und „Krieg der Welten“ (1953) Tribut. Besonders scharfsichtige Zuschauer_innen werden im 3. Akt und Finale auch einige Ähnlichkeiten zu „Independence Day“ (ebenfalls 1996) erkennen können.

Mars Attacks!`“ schwarzer Humor und ambitionierte Geschichte schieden leider die Geister und ließen die Kinokassen leiser als erhofft klingeln. Der Film wird jedoch geliebt und gelobt für sein inspiriertes Kostüm- und Set-Design, die Visual-Effects von „Industrial Light and Magic“ und wartet mit einem Ensemble-Cast der Jahrhunderte auf.

Also: ist nun die Zeit für eine „zweite“ Chance hier im Offkino?

(Textverantwortlich: LV)

Mars Attacks! Still
Sommerpause: 18.07. – 31.08.
18.07.
Sommerpause: 18.07. – 31.08. Still