Unsere Filme im Februar - Alles Routine
Rififi
13.02.

Unendlich müde, so kehrt der einstige Einbrecherkönig Tony “Le Stephanois” von einem fünfjährigen Gefängnisaufenthalt zurück und kommt bei Jo „Le Suedois“, dessen Frau Louise und kleinem Sohn Tonio unter. Sie sind Tony zu Dank verpflichtet, der seinen jungen Komplizen bei der Festnahme gedeckt hatte. Mit seinem Kumpel Mario versucht Jo Tony zu überreden, sich ihnen bei einem lukrativen Raubüberfall auf ein Juweliergeschäft anzuschließen, doch hat der den alten Routinen abgeschworen, sehnt sich nur nach dem Wiedersehen mit Mado. Als er jedoch erfährt, dass diese nun die Geliebte des fiesen Nachtklubbesitzers Grutter ist, ist Tonys Ehrgeiz geweckt. Zusammen mit den Jungs und Tresorknacker César will er das ganz große Ding drehen.

Mit „Rififi“, diesem Meisterwerk um Finesse, Ganovenehre und toxische Männlichkeit vor der Kulisse eines grandios rauen Paris, hat auch er es allen gezeigt: Jules Dassin, U.S.-Expat von Joe McCarthys Gnaden, der nach dem unter großen Schwierigkeiten in Großbritannien abgedrehten „Night and the City“ (1950) nun mit einem Film reüssierte, dessen Herzstück Legende ist – jene dialoglose Einbruchsequenz in Echtzeit (32 Minuten!), die Gesetzeshüter_innen auch hierzulande in Schnappatmung versetzte. Der so den Goldstandard aller respektablen Heist Movies etablierte und für François Truffaut, der es ja wissen muss, den besten Film Noir aller Zeiten schuf. Zu dessen weiteren Werken u.a. die Komödie „Never on Sunday“ (1960) zählt, darin seine spätere Gattin, Melina Mercouri, als charmante Hafenhure Ilya, das „Mädchen von Piräus“. Und der in „Rififi“- unter dem Alias Perlo Vita – als galanter César brilliert. Regiepreis 1955 in Cannes, Prix Meliès 1956 und Special Award des „New York Film Critics Circle“ 2000.

(Textverantwortlich: AR)

Rififi Still
Kier Royal: „Hexen bis aufs Blut gequält“, „Staging Death“, „Tod eines Weltstars. Portrait Udo Kier“ & „Die Schlacht der Idioten“
20.02.

Am 23. November 2025 ist der Schauspieler Udo Kier im Alter von 81 Jahren gestorben. Er war Schauspieler, Lebemann, queere Ikone und vieles mehr. Wir alle haben ganz sicher unsere ganz individuellen Erinnerungen an den Mann mit den ozeanblauen Augen. In meine Hornhaut hat sich eine Szene aus Lars von Triers Fernsehserie „Hospital der Geister“ von 1994 eingebrannt. Dort kommt Kier während einer bluttriefenden Geburtsszene als dämonisches Baby auf die Welt.
Durch weit über 250 Filmrollen wurde er auch zu einer weltweiten Ikone des Genrekinos. Kier verkörperte in seinen Rollen eine unvergleichliche Radikalität, Tiefe und totale Hingabe, ohne Rücksicht auf Konventionen.
In unserer „Kier-Royale“-Hommage zeigen wir eine kleine Auswahl an Kurzfilmen von Christoph Schlingensief, Armstrong’s Exploitationfilmklassiker „Mark of the Devil“ (dt. Titel: „Hexen bis aufs Blut gequält“) und den 8 minütigen Kurzfilm „Staging Death“ von Jan Soldat.

„Hexen bis aufs Blut gequält“ (Internat. Titel: „Mark of the Devil“), Regie: Michael Armstrong (BRD 1970, 97 Min., 35mm)
„Hexen bis aufs Blut gequält“ ist ein kontroverser Exploitationfilm mit deutlicher Kritik an der historischen Hexenverfolgung. Er ist vor allem für seine schockierenden Darstellungen von Gewalt bekannt und stand lange Jahre auf dem Index. Erst 2017 wurde die Indizierung aufgehoben und ist mit „Keine Jugendfreigabe“ neu bewertet worden.Der Film spielt im 18. Jahrhundert in einem fiktiven deutschen Fürstentum. Im Mittelpunkt steht der junge Hexenjäger Christian (Udo Kier). Er ist der Assistent und Schüler des fanatischen Hexenrichters Lord Cumberland. Zu Beginn folgt er dessen brutalen Methoden, doch im Verlauf des Films gerät er in einen inneren Konflikt: Er erkennt zunehmend die Grausamkeit und Ungerechtigkeit der Hexenprozesse. Schließlich wendet er sich gegen seinen Mentor und unterstützt den Richter Albino, der die Folter und Willkür beenden will.Die Rolle machte Udo Kier international bekannt und begründete seinen Ruf als markanten Darsteller in kontroversen und extremen Filmen.Wir raten ab.“ epd-film

„Staging Death“, Regie: Jan Soldat (AT/D 2022, 8 Min., digital)Udo Kier stirbt sich durch die Filmgeschichte. Er schreit, fällt, liegt, wird zerhackt, erschossen oder nimmt sich selbst das Leben. Immer wieder sein leerer Blick, immer wieder sein starrer Körper. In 54 Jahren Schauspielkarriere spielte Udo Kier in mehr als 170 Langspielfilmen, 120 Serienepisoden und 50 Kurzfilmen. Über 70 mal versuchte Udo Kier sich daran dem Sterben und dem Tod einen Ausdruck zu geben. In „Staging Death“ fügen sich diese Todesdarstellungen zu einer Montage von unterschiedlichsten Einstellungsgrößen, Filmformaten, Spezialeffekten und Sounddesigns. Europäisches Autorenkino, Hollywood-Blockbuster, Independent-Trash, Kunstinstallation, Fernsehfilm, Werbespot, Musikvideo und Kinderserie: im Gesamtwerk von Udo Kier wird alles eins. In diesem Sinne bewegt sich auch „Staging Death“ zwischen Dokument, Essay, Found Footage, Supercut und Youtubeclip. (Produktionsnotiz, Jan Soldat)

„Tod eines Weltstars. Portrait Udo Kier“, Regie: Christoph Schlingensief (D 1992, 45 Min., DCP)Mit Udo Kier, Alfred Edel, Susanne Bredehöft, Brigitte Kausch-Kuhlbrodt, Dietrich Kuhlbrodt u.a.Als Moderator von Kultur Extra interviewt Christoph Schlingensief im Auftrag des WDR Udo Kier – eine schonungslos, freche Persiflage auf alle Homestories und gleichzeitig liebevolle Hommage an einen guten Freund. Dazwischen Ausschnitte einer Homestory, in der Alfred Edel unmittelbar aus dem Leben des scheidenden Weltstars berichtet.„Tod eines Weltstars“ zeigt große Momente, gewaltige Momente, die letzten Stunden Udo Kiers, „der sich im Kreise seiner Familie immer am wohlsten fühlte“. Brigitte Kausch, Dietrich Kuhlbrodt, Susanne Bredehöft und die Baronin Berswordt-Wallrabe geben eine wunderbare Film-Familie ab – so persönlich wie noch nie vor der Kamera! Daneben – so lebendig wie schon lange nicht mehr – Fassbinder und Andy Warhol, mit denen Kier zusammenarbeitete und einige seiner wichtigsten Filme realisierte.

„Die Schlacht der Idioten“, Regie: Christoph Schlingensief (BRD 1986, 21 Min., DCP)Mit Udo Kier, Alfred Edel, Anastasia Kudelka u.a.Musik: Helge SchneiderIn einem deutschen Filminstitut laufen die letzen Minuten des berühmten Stummfilms „Königin der Quelle“. Königin Quelly soll den Alkoholiker Guff heiraten, obwohl sie das gar nicht will. Nach der Vorstellung beschließen die Darsteller_innen die Flucht – erst von der Leinwand und dann aus dem Kino. Der Film setzt sich außerhalb des Kinosaals fort; alle wollen Quelly für sich haben. Die Königin wird Quelle von Auseinandersetzungen zwischen den gegnerischen Teams.In „Die Schlacht der Idioten“ sind Alfed Edel und Udo Kier erstmals vor Schlingensiefs virtuoser Handkamera zu sehen! Zumeist auf Knien rutschend unter der Wüstensonne.

(Textverantwortlich: JU, KE)

Kier Royal: „Hexen bis aufs Blut gequält“, „Staging Death“, „Tod eines Weltstars. Portrait Udo Kier“ & „Die Schlacht der Idioten“ Still
The Ugly Stepsister
27.02.

Wer von uns hat sich nicht bei dem Märchen gegruselt, als sich die bösen Stiefschwestern die Füße zerhackten, um in den Glasschuh zu passen? Für Walt Disney natürlich viel zu grausam, die Geschichte wird schnell gezähmt. Was bleibt, ist die Gleichsetzung von Schönheit und dem ‚Gut sein‘. Wer schön sein will, muss leiden – aber nur die wirklich Guten können wirklich schön sein. Weiß doch jedes Kind.

Genau diesen Stoff holt sich Emilie Blichfeldt in ihren Debütfilm und zaubert uns ein neues altbekanntes Märchen: Elvira möchte nicht mehr die hässliche Stiefschwester sein und legt alles daran, sich Prinz Julian zu angeln. Dass da Schweiß, Tränen, und Blut fließen müssen ist ja wohl klar. Inspiriert von David Cronenbergs körperlichen Transformationen als sozio-politischen Kommentar setzt Blichfeldt den Film in die Anfänge der (institutionellen) Schönheitschirurgie im 18. Jhd.. Damals hing die soziale und ökonomische Realität von Frauen von Männern ab. Eine Heirat sicherte die Existenz und gesellschaftliche Teilhabe. Und das Aussehen ist bekanntlicherweise die einzige Waffe einer Frau.

Blichfeldts „beauty horror“ orientiert sich ästhetisch an dem osteuropäischen Märchenkino der 1960/70er Jahre. Musikalisch inspirierten 1970er Soundtracks wie „Bilitis“, oder „Goblin“, während die Musikerin Vilde Tuv die kontemporäre Note dazugibt. Lea Myren verleiht der Elvira durch ihr scharfes komödiantisches Timing eine Humanität, die selbst in den absurd übersteigerten Szenen in der Realität geerdet bleibt.
Der Film will kein schwarz-weiß, kein einfaches Gut und Böse. „There is only one Cinderella,” schreibt Blichfeldt im Presse-Kit. “The rest of us, struggling to fit the shoe, are stepsisters.

(Textverantwortlich: LF)

The Ugly Stepsister Still
Unsere Filme im März - Die Nerven liegen blank
Bird
06.03.

In Kooperation mit „FrauenFilmTage Bielefeld“.

Weitere Infos folgen bald!

(Textverantwortlich: CP)

Bird Still
M – Eine Stadt sucht einen Mörder
13.03.

Weitere Infos folgen bald!

(Textverantwortlich: JU)

M – Eine Stadt sucht einen Mörder Still
Phenomena
20.03.

Die 15-jährige Jennifer Corvino wird in ein abgelegenes Mädcheninternat nahe Zürich geschickt. Dort wird sie wegen ihres Schlafwandelns und ihrer ungewöhnlich starken Verbindung zu Insekten schnell als sonderbar abgestempelt.
Zur gleichen Zeit hält ein Serienmörder die Region in Atem: Junge Mädchen werden getötet, enthauptet und ihre Leichen verschwinden. Der ermittelnde Inspektor zieht den Entomologen Professor John McGregor hinzu, der mithilfe von Insekten den Todeszeitpunkt der Opfer bestimmen kann.
In einem schlafwandlerischen Trancezustand wird Jennifer zufällig Zeugin eines der Morde und flüchtet. Verwirrt und mit Erinnerungslücken gelangt sie zu Professor McGregor, der sich ihrer annimmt und ihre besondere Gabe erkennt. Später erlebt sie indirekt den Mord an ihrer Zimmernachbarin mit und findet -geleitet- am Tatort den Handschuh des Mörders, in dem sich Maden eingenistet haben. Während sie im Internat Mobbing erfährt und für verrückt erklärt wird, findet sie beim Professor und summender, krabbelnder Verbündeter Unterstützung, und außerdem Ermutigung, der Sache weiter auf den Grund zu gehen…

Argento bezeichnet „Phenomena“ als eines seiner liebsten Werke. Mit Jennifer Corvino als ein außergewöhnlicheres Final Girl, was „film cred“ folgendermaßen beschreibt: „Jennifer’s power and association with insects, particularly figures of death and decay, paint a fascinating portrayal of a divergent female protagonist. Her actions and abilities are never subverted into a narrative of male anxiety over female power. Instead, Jennifer’s magic, the ‘phenomena’ of the film’s title, allows her own feminine hero’s story to unfold.“
Die Natur ist in „Phenomena“ eine eigenständige, handelnde Macht, die dem Film eine fast mystische Dimension verleiht. Besonders ist zudem, dass Argento neben dem atmosphärischen Score von „Goblin“ einen weiteren Musikstil einsetzt – lasst euch überraschen :).

(Textverantwortlich: KE)

Contentwarnung

Phenomena Still
Climax
27.03.

Weitere Infos folgen bald!

(Textverantwortlich: LV)

Climax Still