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Leoparden küßt man nicht
02.10.

Was geschieht, wenn ein zerstreuter Wissenschaftler, dessen Lebenswerk in der Rekonstruktion eines Saurierskeletts besteht, eine exzentrische Erbin trifft, die einen Leoparden als Haustier hält? Genau: Das Chaos ist vorprogrammiert!
Während sich der Zoologe David Huxley auf seine Hochzeit vorbereitet, läuft ihm die temperamentvolle Susan über den Weg. Mit weiblicher List und Leopard entführt sie den Professor, der einerseits pünktlich zu seiner Hochzeit erscheinen will, andererseits nicht unhöflich sein möchte.
Der US-amerikanische Regisseur Howard Hawks, zu dem viele Cineast_innen als einem Meister der US-Regiegilde aufsehen, schuf mit dieser brillanten Komödie eine Arbeit, die mit ihren Einfällen und Gags einzigartig ist.
(Quelle: Arthaus)

102 Minuten lang handelt der Film von nichts anderem als vom Sex, ohne allerdings von ihm zu sprechen, geschweige denn ihn zu zeigen. […] Beruf, Geld und Anerkennung sind nichts, wenn sie mit der Verdrängung lustvoller Gefühle erkauft sind, zeigt der Film mit der ihm eigenen Evidenz. Das perfekte Chaos-Paar Katharine Hepburn und Cary Grant ist der Garant dafür, daß diese Filmlogik greift. […] Großen Anteil an der komödiantischen Qualität des Films hat das Drehbuch, das einige der besten Dialoge enthält, die für eine Screwball comedy geschrieben wurden. […] Howard Hawks hat durch seine temporeiche Inszenierung den Witz der Dialoge noch verstärkt. […] So ist diese Komödie der beste Ausweis jener ‚handwerklichen Intelligenz‘, die Jacques Rivette Howard Hawks attestierte.“ Dietrich Leder

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„Raum“: Kuratiertes Filmprogramm vom Kinokollektiv „Cinéma La Clef“ (Paris) – Teile des Kollektivs sind per Videokonferenz anwesend!
09.10.

ZU GAST: Cinéma La Clef, mit Kurzfilmprogramm

Seit einem Jahr besetzen Student_innen, ehemalige Angestellte, Filmemacher_innen und weitere Gruppen das „Cinema La Clef“, um dieses Kino im Herzen von Paris zu erhalten. Eigentümer_in des Gebäudes, eine Pariser Sparkasse, will aus dem Gebäude mehr Kapital schlagen als es die Vermietung an ein Kino bringt. Die Unterstützung für die Besetzung ist groß, das Filmprogramm der Besetzer_innen grandios. Täglich finden die Vorführungen statt, alle Filme werden von Filmemacher_innen und Verleihen solidarisch kostenfrei zur Verfügung gestellt. Die Entscheidung über den Ausgang liegt jetzt in den Händen der Stadtpolitik.
Über den aktuellen Stand berichten am heutigen Abend zwei Abgesandte aus dem Kollektiv, und präsentieren dazu ein Kurzfilmprogramm zur Thematik „Raum“:

BARRES (SPERREN)
Luc Moullet, F 1984, 15 Min., 16mm, OmU
Eisenstangen in der Pariser Métro sollen das Fahren ohne Ticket verhindern.
Luc Moullet zeigt 15 Minuten lang die ballettreifen Tricks, wie man diese Hindernisse umgehen kann.

TERRITORY
Eleanor Mortimer, GB 2015, 17 Min., digital, engl. OF
Gibraltar ist seit Jahrhunderten Streitgebiet zwischen England und Spanien.
TERRITORY zeigt, wie sich die Makaken die Stadt zu eigen machen.

BAIT (DAS HAUS)
Amos Gitai, Israel 1980, 51 Min. OmenglUT
Protagonist des Films ist ein Haus, das vom Besitz eines palästinensischen Arztes in den der israelischen Regierung wandert, die es dann einem jüdischen Professor vermietet.

Die Einladung ist eine Kooperation mit dem „Cinéma La Clef„, „B-Movie“ (HH) und dem „Kino im Sprengel“ (H). Sie ist aus dem Kino Climates-Treffen 2020 in Rotterdam heraus entstanden, wo Abgesandte vom „Cinéma La Clef“ von ihrer Situation berichtet haben.
Vielen Dank an Bulle Meignan, Almut Lindner (Cinéma La Clef), Manja Malz (B-Movie), Peter Hoffmann (Kino im Sprengel) und KINO CLIMATES.

Aufgrund der aktuellen Situation können Bulle Meignan und Almut Lindner vom „Cinéma La Clef“ leider nicht persönlich kommen und werden per Videokonferenz dazugegeschaltet.

„Raum“: Kuratiertes Filmprogramm vom Kinokollektiv „Cinéma La Clef“ (Paris) – Teile des Kollektivs sind per Videokonferenz anwesend! Still
Der Balkon – Wehrmachtsverbrechen in Griechenland
16.10.

Kino mit Gast: Wir freuen uns an diesem Abend mit Reiner Schiller-Dickhut einen ehemaligen Bielefelder und Vorstand des Vereins „Respekt für Griechenland e.V.“ als fachkundigen Referenten zu Gast zu haben. Er steht im Anschluss an den Film für Fragen zum Thema zur Verfügung.

Zum Film:
Lyngiades, ein Dorf in Nord-Griechenland, wird wegen seiner wunderbaren Aussicht der „Balkon“ genannt. Doch die Idylle war Schauplatz eines Massakers, das hierzulande noch kaum bekannt ist. Am 3. Oktober 1943 ermordeten die deutschen Besatzer zweiundachtzig Dorfbewohner_innen, überwiegend Kinder und alte Leute, und zerstörten fast alle Häuser.

Ende der 1980er Jahren recherchierte der Rechtshistoriker Christoph Schminck-Gustavus (vgl. sein Buch „Der Feuerrauch“) zu dem Massaker. Bei seiner Arbeit hatte er stets ein Tonbandgerät dabei, um die Berichte der Überlebenden aufzuzeichnen und hat damit ein eindringliches Zeitdokument geschaffen.

Im Film des aus Lyngiades stammenden Regisseurs Chrysanthos Konstantinidis berichten sowohl Überlebende, und hören Nachgeborene vor Ort – oft erstmalig – von dem bedrückenden Ereignis aus dem Jahre 1943. Es sind Dokumente der Trauer vor dem Hintergrund eines kollektiven Traumas. Und es sind Einblicke in die unterlassene Aufarbeitung in Deutschland und in die verweigerte Wiedergutmachung an der griechischen Bevölkerung.

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Palermo oder Wolfsburg
23.10.

Der 17-jährige Sizilianer Nicola kommt, wie viele seiner Landsleute, als Gastarbeiter nach Deutschland und findet Arbeit bei VW Wolfsburg. Der Job, Kontakt zu anderen Italienern und nicht zuletzt die Tatsache, dass er sich in die Automechanikerin Brigitte verliebt hat, lassen ihn den harten Arbeitsalltag, Demütigungen durch Vorgesetzte und die sprachliche Isolation leichter ertragen. Doch Brigitte entpuppt sich als unaufrichtig, indem sie mit Nicola nur ihre Freunde eifersüchtig machen wollte. Sie verlässt ihn. Als Nicola von diesen Freunden auch noch provoziert und in einen Streit verwickelt wird, wird er zum Mörder. Im Gerichtsprozess, den Nicola stumm über sich ergehen lässt, begegnen ihm und uns u.a. die Vorurteile deutscher Wohlstandsbürger_innen, surreal anmutende Grotesken sowie Erinnerungsbilder und parabelhafte Visionen, die sich zu einem Sinnbild des Heimatverlustes fügen.

Werner Schroeter gilt als einer der wichtigsten Vertreter des „Neuen deutschen Films“. Er bedient sich in seinen Filmen opulenter, expressiver Mittel, in denen seine Verbundenheit zu Oper und Theater offensichtlich wird. Mit „Palermo oder Wolfsburg“ gewann Schroeter 1980 auf der Berlinale den goldenen Bären.
Für die weitere Beschäftigung mit Werner Schroeter ist wärmstens der Dokumentarfilm „Mondo Lux – Die Bilderwelten des Werner Schroeter“ von Elfi Mikesch (D 2011) zu empfehlen.

„PALERMO ODER WOLFSBURG zeigt bewusst eine Sicht auf die bundesrepublikanische Aufbauphase, in der Leben nur noch verwaltet und bürokratisiert wird, „ein Land, in dem es kein Licht gibt, keine Liebe, nur Arbeit“ und einer idealisierten, exotisierten, ursprünglichen „Heimat“.“ Filmgalerie 451

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Der große Irrtum
30.10.

Zur Zeit des Faschismus in Italien: Aus einem übertriebenem Anpassungsbedürfnis heraus entschließt sich der Beamte Marcello Clerici (Trintignant), sich der Geheimpolizei des faschistischen Italiens anzuschließen. Dieses Bedürfnis, möglichst normal und gesellschaftlich angepasst zu sein, resultiert aus einem Schuldgefühl aus seiner Jugend. Der Geheimpolizei bietet er an, während seiner Flitterwochen in Paris, seinen ehemaligen Professor Quadri (Tarascio) auszuspionieren, der im Exil zu einem Führungsmitglied der Antifaschisten geworden ist. Doch nach kurzer Zeit erhält er den Auftrag seinen ehemaligen Professor nicht nur zu bespitzeln, sondern dessen Ermordung vorzubereiten.

„Der große Irrtum“ basiert auf dem Roman „Der Konformist“ von Alberto Moravia. Bernardo Bertolucci (u.a. „Der letzte Kaiser“) erzählt die politische Spionagehandlung in einer sprunghaften Chronologie als subjektive Erinnerung der Hauptfigur, in einem lyrischen Ton und mit Action-Elementen. Das Hauptmotiv des Films, Platons Höhlengleichnis, illustriert die Lügen, die sich die Hauptfigur einredet: Etwas anderes als die Denkweise der Faschisten will er nicht akzeptieren, weil er glaubt so seine „Normalität“ zu verlieren. Bertolucci und sein Kameramann Vittorio Storaro entwickelten einen ausgeprägten visuellen Stil mit luxuriöser Ausstattung und Anleihen beim Unterhaltungskino der 1930er Jahre. Der Film taucht regelmäßig in der Besprechung über die am schönsten fotografierten Filme aller Zeiten auf. Die melancholische Musik George Delerues tut ein Übriges, um sich in der Zeit zu verlieren.
Der Film lief 1970 auf der Berlinale und wurde für den Oscar für das beste Originaldrehbuch nominiert. Dazu wurde der Film mit dem David di Donatello als Bester Film ausgezeichnet.

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