Zunächst gehen sie sich gewaltig auf die Nerven: Harry und Sally, von Billy Crystal und Meg Ryan verkörperte Namensgeber_innen des Films, der zum Prototyp der romantischen Komödie der 1990er avancierte – und Ryans zeitweisen Status als Rom-Com Leading Lady in einer moderat feministischen, wenn auch heteronormativ-eurozentrischen Mittelklassen-Variante etablierte. Wobei: Weder die gute alte Enemies to Friends-Formel noch die altmodische Leitfrage, die Möglichkeit einer rein platonischen Freundschaft zwischen den Geschlechtern betreffend, macht die Popularität und den Charme des Films bis heute aus. Es ist das „Wie“ der leicht, ironisch, mit sicherem Gespür für Zeitgeist und großer Sympathie für die Figuren geglückten Inszenierung im Zusammenspiel mit pointierten Dialogen (Regie: Rob Reiner, Drehbuch: Nora Ephron). „Harry und Sally“ lebt von Stimmungen, oftmals evoziert mittels nostalgisch aufgeladener Kulturtechniken und Orte: Die Vertrautheit abendlicher Festnetztelefonate Bett zu Bett im Split Screen. Das Rolodex-Archiv attraktiver Junggesellen von Sallys praktischer Freundin Marie (Carrie Fisher). Sallys Outfits und Frisuren, die ihre Entwicklung von der pedantischen Uniabsolventin zur lässigen Young Urban Professional nachzeichnen (unvergesslich auch beider Signature-Look im Aran-Strickpullover, ihrer rot, seiner weiß). Dazu kommen ikonische Kulissen wie Central Park, Metropolitan Museum, Katz’s Delicatessen und der Times Square am Silvesterabend sowie die Jazz-Standards des Soundtracks (Grammy 1990 für Harry Connick Jr.). Nicht zu vergessen die in den Film eingestreuten Referenzen zu klassischen Screwball Comedies und Liebesdramen Hollywoods… und die zauberhaften Vignetten mit den alten Paaren, die erzählen, wie damals alles begann.
(Textverantwortlich: AR)
