Unsere Filme im Januar - Dokumentation
Peppermint Frieden
25.01.

Doku in Spielfilmformat: „Peppermint Frieden“ schildert den Nachkriegsalltag aus Kindersicht in einem kleinen deutschen Dorf 1943 – 1950.

Die fünfjährige Marianne, von Hunger und Bombennächten gebeutelt, ist mit ihrer Mutter in den Bayrischen Wald geflüchtet. Ihr Vater wird aus der Gefangenschaft entlassen und beginnt wieder als Lehrer zu arbeiten.
Ein amerikanischer Soldat verteilt Kaugummis mit Pfefferminzgeschmack. Für die Kinder schmeckt der Frieden nach Pfefferminz. Vieles ist neu, wie die seltsame Musik aus dem Nebenzimmer, wo Mister Frieden und seine Freundin Nilla lachen und seufzen.
Doch mit Korea und dem Kalten Krieg zeichnen sich neue Feindeslinien ab. Die Erwachsenen reden über die Bedrohung, und besonders die Atombombe ruft Alpträume wach, die die traumatisierte Marianne belasten…

Die Uraufführung fand 1983 in Cannes statt, 1983 erhielt der Film den Deutschen Kritiker-Preis, 1984 den Max Ophüls Preis.

PEPPERMINT FRIEDEN ist wohl der radikalste Versuch im deutschen Kino, die Geschichte des 20. Jahrhunderts aus der Perspektive eines Kindes zu erzählen: NS-Zeit, Bombenkrieg, Besatzung und kalter Krieg erscheinen im Zerrspiegel kindlicher Erinnerungen, Spiele und Träume. Schwarzweiße Szenen wechseln mit knallbunten Pop-Traumsequenzen, reale Ereignisse überlagern sich mit Motiven aus Märchen, Religion und Romantik. […] Gemeinsam mit den bekannteren DIE BLECHTROMMEL (R: Volker Schlöndorff, Deutschland/Frankreich 1979) und DEUTSCHLAND, BLEICHE MUTTER (R: Helma Sanders-Brahms, BRD 1980) gehört PEPPERMINT FRIEDEN zu den Filmen in Postdiktatur-Ländern, in denen die Traumata der Vergangenheit über Kinderfiguren vermittelt werden, da diese es erlauben, die Geschichte ‚anders’ zu erzählen als es in der offiziellen Geschichtsschreibung oder etablierten Formen filmischen Erzählens üblich ist, und anzusprechen, was gesellschaftlich tabuisiert wird.“ Bettina Henzler

Peppermint Frieden Still
Unsere Filme im Februar - Ballade
Die Dreigroschenoper
01.02.

Der Film spielt, ebenso wie das Stück von Bertolt Brecht, in der Londoner Unterwelt: Der Bandenchef Mackie Messer (Rudolf Forster) verliebt sich in die schöne Polly (Carola Neher) und beschließt kurzerhand sie zu heiraten. Noch in derselben Nacht findet die Hochzeit statt, für die Mackies Bande die gesamte Ausstattung gestohlen hat. Doch das Glück währt nicht lange: Pollys Vater, der „Bettlerkönig“ Peachum (Fritz Rasp), hält von der Beziehung nicht viel. Er droht nicht nur die Hochzeit zu stören, sondern auch Mackie der Polizei auszuliefern, obwohl der Polizeichef zu Mackies engsten Freunden gehört. Es kommt zum grotesken Hin und Her, in dessen Verlauf sich unter anderem Polly gegen ihren Vater wendet, indem sie eine Bank gründet und Mackie zum Direktoren ernennt. Doch damit fängt alles erst an kompliziert zu werden.

„Die Dreigroschenoper“ ist eine Verfilmung des gleichnamigen Stückes von Bertolt Brecht, das als Archetyp des Epischen Theaters gilt. Für G. W. Pabst war es der vierte Tonfilm, den er gedreht hat. Sowohl vor als auch hinter der Kamera waren mehrere bekannte Gesichter des deutschen Films aktiv. Fritz Rasp („Peachum“) hat nicht nur in „Metropolis“ mitgespielt, sondern auch in den 1960er Jahren mit den Edgar Wallace-Krimis ein Comeback. Zu den Drehbuchautoren gehört der einflussreiche Filmtheoretiker Bela Balazs und die Kameraführung übernahm Fritz Arno Wagner, zu dessen bekanntesten Werken „Nosferatu“ von F. W. Murnau und „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ von Fritz Lang zählen. Wagners expressionistische Kameraarbeit schlägt sich auch in der Dreigroschenoper nieder. In der zeitgenössischen Kritik wurden besonders das Spiel des Hauptdarstellers Rudolf Forster und das Szenenbild von Andrej Andrejew hervorgehoben. Wie in der Vorlage geht’s auch im Film sehr musikalisch zu.

Die Dreigroschenoper Still
Reise in Italien
08.02.

Das erste Werk des modernen Kinos.“ British Film Institute

Die Beziehung eines englischen Ehepaares, dargestellt von Ingrid Bergman und George Sanders, wird von Rossellini in seiner Heimat Italien auf die Probe gestellt.

Rossellini versucht, den Gefühlswandel des Paars unter dem Einfluss einer Lebensart, die diesem fremd ist, zu zeigen. Meist sehen wir mit den Augen der Frau, wie sie sich allmählich der Einsamkeit und der Leere ihres Lebens bewusst wird, während sie die Schönheit der Leute, die Präsenz von Leben, der Todeskult und die andauernde Bezeugung religiöser Gefühle um sie herum faszinieren. […] Der Regisseur entwickelt die Technik seiner früheren Filme weiter. Es gibt kaum eine Handlung, stattdessen häufen sich, scheinbar zusammenhanglos, lauter kleine Details an, welche die Kamera einfängt, so wie ein Schriftsteller Tag für Tag Notizen macht.“ Monthly Film Bulletin, März 1958

Mit „Viaggio in Italia“ gelang Rossellini in den Augen vieler Kritiker der erste moderne Film. […] Die Geschichte und die Topographie der gewählten Schauplätze lassen den Film quasi aus seiner Handlungsspur laufen und führen zu den Brüchen, aus denen ein neues Kino hervorgeht.“ Sight & Sound, Dez. 2000

„Reise in Italien“ ist der dritte Film, den Rossellini (1906 – 1977) mit seiner damaligen Gattin Ingrid Bergman gedreht hat.

Seine Filme waren und sind eine Quelle der Inspiration für Filmemacher aus aller Welt.“ Martin Scorsese

Reise in Italien Still
Die Dinge des Lebens
15.02.

Filmtext folgt bald!

Die Dinge des Lebens Still
Candyman’s Fluch
22.02.

Bei ihre Recherche über „urbane Mythen“ stößt Studentin Helen (Virginia Madsen) auf die Legende vom Candyman (Tony Todd): 1890 verliebte sich der schwarze Künstler in ein weißes Mädchen, doch ihr Vater ließ ihn töten. – Helen ist von der Figur fasziniert. Sie ahnt nicht, dass Candyman von den Toten zurückgekehrt ist und ihr Interesse erwidert: Er meuchelt alle in Helens Nähe…“ cinema

„Candyman’s Fluch“ basiert auf einer Kurzgeschichte („The Forbidden“) von Clive Barker und ist ein psychologisch und atmosphärisch dichter und komplexer Film, der weitaus mehr vollbringt, als nur die altbekannten Klischees des Horrorfilms der 1990er zu bedienen. Für mich einer der Besten seiner Zeit.
Bernard Roses Film beschäftigt sich mit der Entstehung von städtischer Folklore. „Candyman’s Fluch“ besitzt sowohl ein politisches als auch ein soziales Bewusstsein. Die Legende vom Candyman nährt sich aus den Ängsten der sozialen Außenseiter_innen, der Abgehängten, die in einem Ghetto am Rand der Stadt in Armut leben und sich mit Kriminalität über Wasser halten. Das Ghetto liegt nur einen Katzensprung von Helens noblem Apartmenthaus entfernt, das ebenfalls ursprünglich zum sozialen Wohnungsbau gehörte, bevor die Stadt beschloss, es in Eigentumswohnungen umzuwandeln.
Der Film spiegelt diese beiden unterschiedlichen Lebensräume. Der Mythos Candyman kann nur überleben, wenn weiterhin an ihn geglaubt wird. In einer bedeutsamen Einstellung sehen wir, wie ein entführtes Baby am Finger des Candyman nuckelt. So nährt sich die Legende von Generation zu Generation.
Und nicht zuletzt der überragende Score von Philip Glass lässt „Candyman’s Fluch“ noch lange nachwirken.

Candyman’s Fluch Still
Unsere Filme im März - Verfolgt!