Unsere Filme im Dezember - In der Schwebe
As I Was Moving Ahead Occasionally I Saw Brief Glimpses of Beauty
02.12.

Anlässlich des 100. Geburtstags, den der litauisch-amerikanische Filmemacher und „Pate des amerikanischen Avantgardekinos“ Jonas Mekas (1922 – 2019) dieses Jahr gefeiert hätte, wurde sein bekanntestes Werk „As I Was Moving Ahead Occasionally I Saw Brief Glimpses of Beauty” restauriert und von der litauischen Botschaft zur Verfügung gestellt. In diesem fast fünf Stunden dauernden Mammutwerk, zusammengesetzt aus Jahrzehnten von Heimvideos, die er mit seiner Bolex-Kamera filmte, blickt Mekas zurück auf sein Leben und das Vatersein. Picknicks und Geburtstage finden ebenso statt wie das Älterwerden und die ersten Schritte seiner Kinder und Enkel, gewürzt mit gewitzten Kommentaren von Mekas. Wie er selbst einmal sagte, sei es „ein Film über Leute, die sich nie streiten oder kämpfen, sondern sich lieben.“

Jonas Mekas ist in der US-amerikanischen Avantgardeszene des „New American Cinema“ in den 1960er Jahren mit autobiografischen Dokumentarfilmen bzw. „Tagebuchfilmen“ berühmt geworden. Zu nennen wäre etwa der Film „Erinnerungen an eine Reise nach Litauen“ (1972), als er das erste Mal seit seiner Auswanderung nach dem Zweiten Weltkrieg seine alte Heimat besucht hat. Doch in keinem seiner Filme sei man dem Menschen Mekas so nah gekommen wie in diesem. Laut New York Times hat es Mekas mit diesem Film geschafft „das Heimvideo zum Epos“ zu erheben. Neben Ausstellungen seiner Filme auf der documenta in Kassel setzte sich Mekas für den Erhalt von Experimentalfilmen ein. Zu diesem Zweck gründete Mekas zusammen mit Peter Kubelka, Stan Brakhage und anderen 1970 die Anthology Film Archives in New York zur Sammlung, Aufbewahrung und Ausstellung von Avantgarde-Filmen. Dieses Filmmuseum existiert noch heute.

Dieses Filmscreening wird ermöglicht von:

(Textverantwortlicher: JR)

As I Was Moving Ahead Occasionally I Saw Brief Glimpses of Beauty Still
Dealer
09.12.

Can arbeitet als Kleindealer. Er ist jemand, der für die Drecksarbeiten zuständig ist; ein Laufbursche, der seine Kund_innen in einem eng abgesteckten Revier in Berlin-Schöneberg versorgt. Can ist unzufrieden mit seiner Lage, weiß aber nicht, wie er sie ändern soll. Atemlos hetzt er durch seinen verworrenen Alltag, wobei er ständig Dinge in Einklang zu bringen sucht, die sich nicht vereinbaren lassen: die Welt der Droge, die Familie, die Gewalt der Straße und die Liebe…

DEALER ist der zweite Teil von Thomas Arslans „Berlin-Trilogie“, zu der die Filme GESCHWISTER – KARDEŞLER (1997) und DER SCHÖNE TAG (2001) gehören. „Drei thematisch unterschiedliche Filme, die sich jedoch alle mit dem Leben von Menschen türkischer Abstammung in Berlin befassen. Distanziert, in langen Einstellungen und mit beinahe dokumentarischem Gestus zeigt sie die Personen in ihrem alltäglichen Umfeld. „Dealer“ wird im Forum der Berlinale 1999 gezeugt und mit dem FIPRESCI-Preis sowie dem Preis der ökumenischen Jury ausgezeichnet.“ filmportal.de

(Textverantwortliche: KE)

Dealer Still
Kinokonzert: Jamie Stewart / XIU XIU (USA) & Schnurr (Bi)
15.12.

Eintritt: 12€ / ermäßigt 10€
VVK ist ausnahmsweise und dann per Banküberweisung möglich.
Es ist noch eine letzte Karte verfügbar, Verkauf über info@offkino.de

XIU XIU aus Kalifornien sind eine der interessantesten Bands der letzten zwei Jahrzente, einziges ständiges Mitglied ist Jamie Stewart. Ihr Sound, ein unvergleichlicher Mix aus Indie, avantgardistisch angehauchtem Post-Punk, elektronischen Soundscapes, tanzbaren Synthie-Pop-Rhythmen sowie klassischer und experimenteller Musik. Im Zentrum von allem steht Jamie Stewarts Stimme mit ihrer eindringlichen Dynamik. Dementsprechend beeindruckend sind auch seine Live-Auftritte. In den Songs verarbeitet Stewart meist emotionale, autobiographische (queere) Themen.
Und „wenn er nun in ein paar wenigen, ausgesuchten Solokonzerten runtergestrippte Versionen von Xiu Xiu Songs spielen wird, ist damit der roh und schön strahlende Kern des Xiu Xiu Universums zu erleben.“ (Quelle: Kampnagel). Dieses Universum bringt Jamie Stewart nun auch endlich in das Offkino und damit zum ersten Mal nach Bielefeld!
Zu einem bestimmt sehr besonderen Konzertabend tragen auch Isabel Merten (Mellowdeath) und Sebastian Gesch bei, die ihn mit „Schnurr“ aus Bielefeld eröffnen und damit auch gleichzeitig ihr Debut geben werden. 8 tiefe Saiten werden sanft gekrault und Marimba- und Vibraphontöne schnarren und klirren.
// schnurr schnurr – miau!

Websites:
http://www.xiuxiu.org/
https://www.instagram.com/xiuxiuforlife/
https://schnurr.bandcamp.com/

(Textverantwortliche: KE)

Kinokonzert: Jamie Stewart / XIU XIU (USA) & Schnurr (Bi) Still
Herbst der Gammler
16.12.

Mit seinem ersten Langfilm behandelt Fleischmann die Subkultur der „Gammler“ in München. So wie die „Halbstarken“ ein Jahrzehnt zuvor wurden die „Gammler“, die sich den bürgerlichen Erwartungen von Arbeit und Familie widersetzten, zum Inbegriff der jugendlichen Gegenkultur in Westdeutschland. Zur Veröffentlichung erregte der Film einiges Aufsehen, da er schonungslos einen Generationenkonflikt aufzeigte. Dabei kommen einige heftige Konfrontationen zwischen den jungen „Gammlern“ und den alten Bürgerlichen zustande, die davon zeugen, dass in den 1960er Jahren Ansichten der Nazi-Zeit von Arbeitspflicht und Demokratieverachtung noch immer in der Bevölkerung verbreitet waren. Der Geist der heraufziehenden Proteste der Studierenden von 1968 ist im Film schon gegenwärtig.

Herbst der Gammler, ein behutsamer, am Cinéma Vérité orientierter Fernseh-Dokumentarfilm, der die verhärteten Fronten auf offener Straße miteinander konfrontiert. Münchner Kleinbürger und Arbeiter entpuppen sich dabei als Träger einer aus dem „Dritten Reich“ überwinterten Ausmerzungsideologie und -rhetorik, deren Vehemenz und Eindeutigkeit mit der holprigen Artikulationsweise und den oft diffusen Sehnsüchten der Langhaarigen in hartem Kontrast steht. Bemerkenswert ist Herbst der Gammler jedoch nicht nur als Zeitdokument, sondern auch als Studie jugendlich unbeholfener Ausdrucksweisen in Sprache und Mimik.“ Deutsches Historisches Museum

(Textverantwortlicher: JR)

Herbst der Gammler Still
Vorfilm: Der rote Ballon
16.12.

Der bis heute einzige Kurzfilm, der einen Drehbuch-Oscar erhalten hat: Der kleine Pascal findet einen großen roten Ballon, der an eine Treppe in Paris festgebunden ist und nimmt ihn mit. Egal wer die beiden voneinander trennen will, ob Eltern, Schule oder Kirche, der Ballon verlässt Pascal nicht. Doch eine Bande neidischer Kinder versucht energisch die beiden auseinanderzubringen.

Ein einfach wunderschöner, poetischer Film. Der Filmtheoretiker André Bazin sah in „Der rote Ballon“ „essentielles Kino“, das durch den Verzicht auf Dialoge und aufwändige Montage seine ganze Kraft durch die Inszenierung und seinen Einfallsreichtum gewinnt.

(Textverantwortlicher: JR)

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Der Exorzist
23.12.

Vorfilm: „Der Makabertanz, Regie: Maximilian Laux (D 2022, 18 Min., digital)

Noch so ein Monster von Film. Im wahrsten Sinne des Wortes. Wer erinnert sich nicht an Bilder die mittlerweile in der Filmgeschichte und in der Popkultur ihren festen Platz eingenommen haben. Regans „Spinnengang“ die Treppe runter oder die beiden Popen, schwarze Schatten an die Wand werfend und hilflos zusehend, wenn der Teufel in den Körper des Mädchens fährt und es frei durch den Raum schweben läßt.

Der Film aus dem Jahr 1973 geht auf einen „wahren Fall“ zurück, der sich in Mount Rainier in Maryland, USA, ereignet haben soll. Zwei Priester kommen bei einer Teufelsaustreibung zu Tode, ehe der Junge von seinem Dämon befreit ist.

Friedkin hat ein zwölfjähriges Mädchen als Hauptfigur eingeführt. Sie wird plötzlich von heftigen Krämpfen geschüttelt. Ihre Zunge zuckt wie die einer Schlange, sie gibt obszöne Reden von sich und spuckt grünlichen Eiter. Ein Psychiater läßt sie aus dem Fenster stürzen und speit zu guter letzt einem Pater ins Gesicht. Letztgenannter, ein Jesuitenpater, versucht das verunstaltete Mädchen durch Teufelsaustreibung zu retten. Kann er dieses Kind von ihrem Dämon befreien?

„Der Exorzist“ wurde ein phänomenaler Erfolg – bevor Steven Spielberg 1975 seinen „Weißen Hai“ losließ, war es der kassenträchtigste Film aller Zeiten. Es gab Oscar-Nominierungen in alle Richtungen, auch für die damals 13-Jährige Linda Blair als „Beste Nebendarstellerin“. Zwei Oscars konnte der Film einstreichen, für den „Besten Sound“ sowie das „Beste adaptierte Drehbuch“.

(Textverantwortlicher: JU)

Der Exorzist Still
Irrtum im Jenseits
30.12.

Während einer Luftschlacht wird das Flugzeug des britischen Piloten Peter Carter (Niven) abgeschossen. Sein letzter Kontakt zur Außenwelt vor dem sicher geglaubten Tod ist die US-amerikanischen Funkerin June (Kim Hunter). Entgegen aller Erwartung überlebt Carter den Absturz und wird an einem Strand angespült. Ursprünglich sollte es auch anders kommen: der Engel Nr. 71, der ihn abberufen sollte, ein während der Französischen Revolution geköpfter Adeliger, hat sich im englischen Nebel verirrt und hat sich somit verspätet. Im Himmel soll ein Prozess stattfinden, der darüber entscheidet, ob Carter, der sich in June verliebt hat und dies von ihr erwidert wird, weiterleben darf oder doch sterben soll, wie es ursprünglich sein sollte.

„Irrtum im Jenseits“ unterteilt seine zwei Welten optisch: Die Szenen im Himmel sind in schwrz-weiß gehalten, während die Szenen auf der Erde in sattem Technicolor gefilmt sind. Die Kamera übernahm dabei der Kameramann Jack Cardiff.

Stairway to Heaven [der US-amerikanische Verleihtitel] ist einer der kühnsten Filme, die je gemacht wurden – in seiner grandiosen Vision, und dem gemütlich-englischen Weg, in dem diese Vision ausgedrückt wird. […] Britische Kritiker beklagten sich seinerzeit, dass der Film zu sehr auf Seiten der Amerikaner sei. Was die heutigen Zuschauer allerdings aufregend finden werden, ist die reine Energie seines Einfallsreichtums. […] Die Spezialeffekte in Stairway to Heaven zeigen ein Universum, das nie existiert hat, bis dieser Film gemacht wurde, und diese Vision ist atemberaubend in ihrer Originalität (Wertung: 4/4 Sterne).“ Roger Ebert

(Textverantwortlicher: JR)

Irrtum im Jenseits Still