Unsere Filme im November - Essen
Tampopo
23.11.

Tampopo is one of the greatest love letters to food!“ Regisseurin Ana Lily Amirpour über „Tampopo“. Hier ihre volle Filmrezension.

Zwei Trucker lernen bei einem Stopp in einem schlecht laufenden Imbiss dessen Besitzerin kennen: die junge Witwe Tampopo. Um dem Laden wieder auf die Sprünge zu helfen, fassen die beiden den Entschluss, gemeinsam mit Tampopo nichts geringeres als die perfekte Nudelsuppe zu kreieren. Mit zahlreichen skurrilen Einfällen persifliert Jūzō Itami die japanische Kultur. „Tampopo“ ist Komödie, Gangsterfilm und Western zugleich – vor allem aber eine Liebeserklärung ans Essen, die sicherlich jeder/jedem Zuschauer_in das Wasser im Munde zusammenlaufen lässt. In einer seiner ersten größeren Rollen ist Nippon Honor Award-Preisträger Koji Yakusho zu sehen.
(Textquelle „Nippon Connection“)

Itamis Film hat keinen Stil, keine eigene Form von Realismus, keine durchgängige Vision. Er stellt Bilder ungefähr so zusammen, wie man Teile eines Menüs zusammenstellt; die Kunst dabei ist, zugleich Harmonie und Kontrast, eine langsam sich entwickelnde Rundheit und Spannung bis zum Ende zu schaffen.“ Georg Seeßlen

Tampopo Still
Soul Kitchen
30.11.

Kneipenbesitzer Zinos ist vom Pech verfolgt: erst zieht seine Freundin Nadine für einen neuen Job nach Shanghai, dann erleidet er einen Bandscheibenvorfall. Als er in seiner Not den exzentrischen Spitzenkoch Shayn engagiert, bleiben auf einmal auch noch die ohnehin schon wenigen Stammgäste aus. Und als wäre das nicht schon genug, taucht auch noch sein leicht krimineller Bruder Illias auf und bittet ihn um Hilfe. Während Zinos noch überlegt, wie er den Laden los wird, um Nadine nach China folgen zu können, locken Musik und die ausgefallene Speisekarte immer mehr Szenepublikum an. Das „Soul Kitchen“ rockt und boomt wie nie zuvor. Doch dann überschlagen sich die Ereignisse.

Ganz im Sinne des österreichischen Avantgardefilmers Peter Kubelka stellt »Soul Kitchen« das Kochen als kommunizierende Handlung in direkten Bezug zu anderen Künsten: Einem guten Jazzer oder einem Schauspieler gleich ist Shayn ein Meister der Improvisation; er experimentiert mit hergebrachten Formen, verabscheut Augenwischerei und zielt mit seiner Kunst auf die Magengrube ebenso wie aufs Herz – eine Haltung, die auch Fatih Akins Philosophie des Filmemachens beschreiben könnte: »Soul Kitchen« wirkt trotz mancher Überdrehtheit in keinem Moment aufgesetzt, und der stellenweise slapstickhafte Humor nie bemüht; Akin gibt keine seiner Figuren je der Lächerlichkeit preis und versteht es, selbst den verrücktesten Situationen eine emotionale Bodenhaftung zu geben, die seine Geschichte davor bewahrt, in einer reinen »Komödienwelt« zu spielen.“ Kai Mihm

„Soul Kitchen“ wurde beim Filmfest in Venedig mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet.

Soul Kitchen Still
Unsere Filme im Dezember - Noir
Auf Liebe und Tod
07.12.

François Truffaut war zeitlebens ein großer Bewunderer der „Schwarzen Serie“, der er selbst mit fünf Werken gehuldigt hatte, darunter Filmperlen wie „Schießen Sie auf den Pianisten“ (1960), „Die Braut trug schwarz“ (1967) und eben „Auf Liebe und Tod“. In stilechtem Schwarzweiß von Kamerameister Néstor Almendros in Szene gesetzt, sollte das Krimidrama um Truffauts Lebensgefährtin Fanny Ardant der letzte Film des 1984 nur 52jährig verstorbenen Wegbereiters der französischen Nouvelle Vague werden. Augenzwinkernd werden hier noch einmal die Konventionen des Film Noir und insbesondere Truffauts großes Vorbild Hitchcock zitiert, doch „Vivement Dimanche!“ verweist auch auf Truffauts eigenes Werk und wirkt so wie eine hellseherische Bilanz seines filmischen Schaffens. Ein weiteres Leitmotiv im Werk des „Mannes, der die Frauen liebte“ (DIE ZEIT) ist das einer eigenwilligen, selbstbestimmten Protagonistin. Folgerichtig ist auch „Vivement Dimanche!“ auf eine starke Frauenfigur zugeschnitten: Die couragierte Barbara Becker, Sekretärin des Immobilienmaklers Julien Vercel (Trintignant), die ihren Chef vor der Verurteilung als mehrfachen Mörder retten will, weil sie als einzige an seine Unschuld glaubt.

Wie viel ist vom klassischen Noir noch übrig geblieben, kann man „Vivement dimanche!“ überhaupt noch als Noir bezeichnen? … Auf jeden Fall, denn geblieben ist nicht nur das schwarz-weiße Filmmaterial und die Grundstruktur der Handlung, sondern auch die düstere Atmosphäre des Noir, die allerdings stets aufgelockert wird. Der Film grenzt sich nicht ab, er macht Lust, die Schwarze Reihe zu sehen, zeigt aber, dass sie stets erneuert werden muss, um aktuell zu bleiben.“ Nils Fortmann, Negativ

Auf Liebe und Tod Still
Frau ohne Gewissen
14.12.

Eigentlich will der Versicherungsvertreter Walter Neff lediglich erreichen, dass seine Kundin Phyllis Dietrichson ihre Autoversicherung verlängert, doch dann kommt alles ganz anders: Femme Fatale Phyllis wickelt ihn gekonnt um den Finger und kann ihn für ihren finsteren Plan gewinnen, gemeinsam ihren Ehemann umzubringen und die noch vorher abgeschlossene Lebensversicherung zu kassieren. Die Versicherung wird jedoch misstrauisch und beauftragt Neffs besten Freund Barton Keyes aus der Abteilung Versicherungsbetrug mit der Aufklärung des Falls…

Eine zu sämtlichen Schandtaten bereite Femme fatale sowie ein zum Mordkomplizen mutierender Durchschnittstyp – derartige Rollen waren im damaligen Mainstreamkino Hollywoods mehr als ungewöhnlich. Eine besondere Stellung besitzt diese Charakterprägung der Hauptfiguren darüber hinaus auch im Zusammenhang mit der Stilrichtung der Filmgeschichte, die später als Film noir bezeichnet worden ist, da die Protagonisten samt und sonders unmoralisch handeln, das Publikum aber trotzdem eine gewisse Sympathie für sie aufbringen kann. Insofern gilt Frau ohne Gewissen heute als herausragendes Exemplar des Film noir. Wesentlich dazu beigetragen hat Barbara Stanwyck, deren Verkörperung einer mit krimineller Energie und beträchtlichen manipulativen Fähigkeiten ausgerüsteten Verführerin das Rollenschema der Femme fatale entscheidend geprägt hat.“ wikipedia

Frau ohne Gewissen Still
Lost Highway
21.12.

In Film noir, there is a beguiling and magnetic mood, there is so much darkness and there is so much room to dream. There are mysteries and there are people in trouble, and uneasiness.“ David Lynch

„Lost Highway“ bezeichnet Lynch als „21st century noir horror film.“ Er erzählt vom Jazzmusiker Fred Madison und seine Frau Renée, die keine besonders glückliche Ehe führen. Ihre Probleme werden eines Tages von einem mysteriösen Ereignis überschattet: Videokassetten unbekannter Herkunft zeigen anfangs nichts außer Aufnahmen ihres Hauses, später Innenaufnahmen und letztendlich Fred bei der Leiche seiner Frau Renée. Des Mordes an ihr beschuldigt, landet er in der Todeszelle, in der er unter Wahn und Kopfschmerzen leidet. Am nächsten Tag ist nicht mehr Fred, sondern der junge Automechaniker Pete Dayton in der Zelle. Niemand weiß, wie er dorthin gelangt ist oder wo Fred geblieben ist. Pete wird entlassen, und gerät bald in einen Strudel von Ereignissen rund um den mysteriösen Gangsterboss Mr. Eddy und dessen Freundin Alice Wakefield, die Freds Frau Renée zum Verwechseln ähnlich sieht…

You can say that a lot of Lost Highway is internal. It’s Fred’s story. It’s not a dream: It’s realistic, though according to Fred’s logic. But I don’t want to say too much. The reason is: I love mysteries. To fall into a mystery and its danger … everything becomes so intense in those moments. When most mysteries are solved, I feel tremendously let down. So I want things to feel solved up to a point, but there’s got to be a certain percentage left over to keep the dream going.“ David Lynch

Lost Highway Still
Unsere Filme im Januar - Dokumentation
Ein Lebender geht vorbei
11.01.

Im Film wird Maurice Rossel vom Internationalen Komitee des Roten Kreuzes von Claude Lanzmann zu seiner Rolle als Inspekteur der Konzentrationslager befragt, genauer gesagt zu seinem wohlwollenden Bericht über das „Vorzeigelager“ Theresienstadt.

Das zum Teil unter hoher Anspannung geführte Interview ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie durchdacht die Nazis ihr System der Vernichtung zu vertuschen suchten und wie willig und leichtgläubig ihr Angebot der Täuschung von vielen Zeitgenoss_innen angenommen wurde.

Wir zeigen den Film zusammen mit der „Antifa AG“ der Uni Bielefeld im Rahmen der Ausstellung „Warum schreibst Du mir nicht?“, die vom 05.11.2018 – 20.01.2019 in der Volkshochschule Bielefeld präsentiert wird. Weitere Infos zu der Ausstellung: www.vhs-bielefeld.de.
Das gesamte Rahmenprogramm findet ihr hier.

Ein Lebender geht vorbei Still