Unsere Filme im September - Diven
Der Kuss der Spinnenfrau
28.09.

Brasilien. Militärdiktatur. Zwei, die sich eine Gefängniszelle teilen und unterschiedlicher nicht sein könnten. Journalist Valentin (Juliá) sitzt wegen seiner politischen Aktivitäten ein. Molina (Hurt), Schaufensterdekorateur, wird die Verführung eines Minderjährigen vorgeworfen. Anfänglich lehnt der homo- und transphobe Valentin Molina völlig ab. Dieser liebt Männer, fühlt sich jedoch als Frau und träumt sich in die Welt seiner angebeteten Stars und Sternchen aus Hollywoodmelodramen und Nazipropagandafilmen. Aber Molina ist es auch, dessen Sorge um seinen Mithäftling beider Verhältnis eine entscheidende Wendung gibt, als der aufgrund von Folter und einer rätselhaften Krankheit immer schwächer wird. Valentin lässt sich nun Molinas Kinoschwärmereien gefallen, die uns mit Film-im-Film-Sequenzen (mit Sônia Braga in verschiedenen Rollen) eine weitere surreal-psychologische Ebene der Figuren eröffnen. Doch wieder geschieht Unvorhergesehenes.
Ein berührender Film nicht nur wegen seiner beiden Hauptdarsteller, sondern auch aus der zeitgeschichtlichen Perspektive des von Diktaturen und Bürgerkriegen aufgeriebenen Lateinamerikas der frühen 1980er sowie einer weltweiten Hexenjagd gegen Homosexuelle mit Anbruch des AIDS-Zeitalters. William Hurt erhielt einen Oscar; beeindruckend ist auch Raúl Juliá, der sich später als Gómez Addams in die Herzen eines internationalen Komödienpublikums spielte. Die in Brasilien gedrehte Low Budget-Produktion erlangte vier weitere Oscarnominierungen; eine davon ging an Héctor Babenco und machte ihn zum ersten lateinamerikanischen Regisseur in dieser Kategorie. Zuvor hatte der gebürtige Argentinier bereits in Brasilien u.a. mit „Pixote“ („Asphalt-Haie“, 1981) Filmgeschichte geschrieben.

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Unsere Filme im Oktober - Wohnen
5 Zimmer Küche Sarg
05.10.

Wenn du nach dem Krieg als Nazi entlarvt wurdest, war das schon ziemlich schlimm„, erzählt Deacon (Jonathan Brugh). „Aber wenn du als Nazi-Vampir entlarvt wurdest – das ging ja mal gar nicht.“
Unter Adolf Hitler gehörte Deacon einer blutsaugenden Eliteeinheit der Wehrmacht an, nun lebt er in Neuseeland in einer WG-Villa mit den 3 anderen Vampiren Viago, Vladislav und Petyr zusammen.
Abgesehen vom fehlenden Spiegelbild, einseitiger Ernährung und gelegentlichen Auseinandersetzungen mit Werwölfen, unterscheidet sich ihr Alltag kaum von dem einer ganz normalen WG.
Wer spült das Geschirr, wer schrubbt das Badezimmer und wer saugt den Staub? Fast jeder WG-Insasse wurde schon mal Opfer eines ungerechten Verteilungsplanes. Und so schleicht sich Unfrieden in das fragile Vampir-Bündnis.

Der außergewöhnliche Dokumentarfilm zeigt erstmals mit schonungsloser Offenheit den unspektakulären Alltag, mit all seinen kleinen „allzu menschlichen“ Fehlbarkeiten, einer bisher unerforschten Spezies.
Unter lebensgefährlichen Drehbedingungen, aber mit viel Sympathie für seine Protagonisten, offenbart der Film sämtliche Facetten des Schattendaseins, von entwürdigenden Diskussionen mit Türstehern bis hin
zur Ergriffenheit beim Anblick eines Sonnenaufgangsvideos bei YouTube.

Wenn es Furcht einflößende Momente gibt, dann auch nur, um die Zuschauer zum Lachen zu bringen.“ Jemaine Clement

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Kuhle Wampe oder: Wem gehört die Welt?
12.10.

Der Film zeigt den Tod eines Arbeitslosen. „In jenen Sommermonaten, in denen auf Grund von Notverordnungen die Not der unteren Schichten vermehrt wurde: Die Arbeitslosenrente wurde für Jugendliche gestrichen.“ Berthold Brecht
Die Familie wird evakuiert, sie zieht in die Zeltsiedlung „Kuhle Wampe“ vor den Toren Berlins. Anni überwirft sich mit ihrem Freund Fritz, von dem sie schwanger ist, und zieht zu ihrer Freundin Gerda, die gerade ein großes Arbeiter_innensportfest organisiert. Bei der Veranstaltung finden Anni und Fritz wieder zueinander und auf der Heimfahrt kommt es zum berühmten Schlussdialog. „Wer soll denn die Welt verändern?„, fragt ein offensichtlich gut situierter Herr. Antwort Gerda: „Die, denen sie nicht gefällt.“

„Kuhle Wampe“ war der einzige eindeutige kommunistische Film der Weimarer Republik. Er wurde unter großen Schwierigkeiten unabhängig produziert. Rund ein Viertel der Szenen mußten in zwei Tagen abgedreht werden. Nach seinem Erscheinen wurde der Film von der Zensur verboten, weil er angeblich den Reichspräsidenten, die Justiz und die Religion beleidige. Nach heftigen Protesten von Künstlern und Kritikern u.a. und einigen Schnitten wurde das Verbot aufgegeben. Brecht machte später dem Zensor das ironische Kompliment, er sei einer der wenigen gewesen, die den Film wirklich verstanden hätten. Der Film ist ein ungewöhnliches Filmdokument aus jener Zeit; und in vielen Sequenzen wird hier die Realität deutlich, die aus vielen Filmen seiner Zeit vertrieben wurden.“ Reclams Filmführer

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Extra-Termin: Mr. Gay Syria
18.10.

Dieser Filmabend findet in Kooperation mit dem AK Asyl e.V. aus Bielefeld statt, ein Verein, der seit 2006 Geflüchtete parteilich berät und unterstützt.
Die Einladung eines der Hauptprotagonisten des Films sowie ein Filmgespräch sind in Planung!

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Mahmoud ist ein Journalist aus Damaskus und der Gründer des ersten Schwulen-Blogs in Syrien. Nach seiner Flucht erhält er Asyl in Deutschland, lebt in Berlin und arbeitet dort für die Schwulenberatung. Der Friseur Husein lebt in Istanbul, wohin er mit seiner Familie aus Aleppo geflohen ist. Die beiden verbindet der Traum, als Syrer erstmals am Wettbewerb „Mr. Gay World“ teilzunehmen. Davon erhoffen sie sich, international Aufmerksamkeit für das Schicksal schwuler Geflüchteter zu
wecken und ein Zeichen für Menschenrechte und gegen Homophobie zu setzen. Husein sehnt sich außerdem danach, in einer Gesellschaft zu leben, die ihn akzeptiert.

„Mr Gay Syria“ ist ein hochaktueller Film über Homophobie und Flucht zwischen der westlichen und der arabischen Welt und über den Mut, die Beständigkeit und den Humor der Protagonisten. Der Film wurde bisher auf über 45 Festivals gezeigt und mit zwölf internationalen Preisen ausgezeichnet, u.a. der Human Rights Award / SARAJEVO INT. FILM FESTIVAL, Silver Hugo / CHICAGO INTERNAT. FILMFESTIVAL, Grand Prix / LGBT-FESTIVAL CHÉRIES CHÉRIS PARIS, Special Mention for Human Rights / VERZIO HUMAN RIGHTS FILMFESTIVAL.

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Kinokonzert: beißpony
19.10.

Bei beißpony stimmt die singende Nähmaschine zur Schreibmaschine ein. Piano und Gesang treffen auf die Geräuschkollagen eines Spielzeugorchesters, während das rauhe Schlagzeug zum Kontratanz auffordert. In Oxford entsteht das Songwriting und im Münchner Mediendienst Leistungshölle werden Kostüme, Videos und Geräuschkompositionen entwickelt.

Kennengelernt haben sich die beiden Bandmitglieder (Medienkünstlerin Stephanie aka rag*treasure und Schriftstellerin Laura Melis) 2006 im Kafe Kult – der legendären Münchner Keimzelle für Punk, Hardcore und experimentelle Musik. 2013 erschien das Debut Album BRUSH YOUR TEETH bei ChicksOnSpeed Records. Seitdem ist das Duo ständig in Bewegung. Nach Auftritten in Rom und Antwerpen folgte im März 2016 eine Einladung zum SXSW Festival in Austin, Texas.
Im Herbst 2016 hat Stephanie RagRec gegründet, ein Label für Störsequenzen in Text, Ton und Bild. „Alligator Gozaimasu“ ist die erste Veröffentlichung auf dem hauseigenen beißpony Label – eine experimentelle Punk Platte mit Musiker_innen aus Japan, Südafrika, Brasilien und Hawaii. Laura hat in der Zwischenzeit „Bad Ass Snowwhite“ produziert, ihr aktuelles Solo-Album.
Stephanie war 2017 mit ihrer singenden Nähmaschine in Indonesien auf Tour und hat gemeinsam mit Klaus Erika Dietl Hörspielmusik für Elfriede Jelinek’s Stück „Licht im Kasten“ komponiert. Im Juli 2018 haben Klaus Erika, Laura und Stephanie mit ihrem Klangmobil „Sniffing Diamonds, Cutting Glue“ den Strand unter den Asphaltplatten Birminghams frei gelegt. Im engen Austausch mit Klaus Erika entstehen auch Plattencover, Musikvideos und Visuals.

Bei uns im OFFKINO wird es neben Live-Musik vom aktuellen Album BEASTS & LONERS auch Einblick in den beißpony-Bilderrausch geben!

http://beisspony.com/

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Seom – Die Insel
26.10.

Versteckt in den Wäldern Südkoreas liegt ein See von atemberaubender Schönheit. Nur wenige Farbtupfer durchdringen den märchenhaften Dunstschleier über dem Wasser. Es sind die buntbemalten Flöße der hier angelnden Urlauber. Das Paradies ist offensichtlich auf die Erde zurückgekehrt. Doch der Schein trügt. Die Bilderbuchlandschaft ist vor allem Anziehungspunkt für die lichtscheuen Gestalten. Die schweigsame Hee-Jin versorgt sie mit Werkzeug und Lebensmittel und bleibt für Geld auch mal über Nacht. Der zuletzt eingetroffene Gast ist auf der Flucht. Zwischen ihm und Hee-Jin entsteht eine bizarre Leidenschaft, aus der es für beide kein Entkommen gibt…

„The Isle“ machte den koreanischen Ausnahmeregisseur Kim Ki-Duk schlagartig auch in Deutschland berühmt und stellte so auf beeindruckende Art und Weise die innovative Kraft des jungen koreanischen Kinos unter Beweis. Die Bilder seiner brutal-zärtlichen Liebesgeschichte gehen unter die Haut und so schnell nicht mehr aus dem Kopf.

Nominiert für den Goldenen Löwen bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig.

Schönheit und schmerzenden Grausamkeit liegen in diesem meisterlich fotografierten Film dicht beieinander.“ AZ

Sprachlos wie die Akteure verläßt der Zuschauer diesen gewaltigen, gewalttätigen Film… .“ Der Schnitt

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Kinokonzert: Les Trucs
17.11.

Les Trucs sind Charlotte Simon, Toben Piel und verschiedene elektronische Gerätschaften. Halb Fleisch, halb Draht. Halb Experiment, halb Pop.
Ursprünglich als reines Bandprojekt begonnen, entwickeln sie Performances, Theaterstücke und Videos. Ob Klangkonzepte für urbane Orte, Kompositionen für einen sich bewegenden Zettelchor oder ein Science-Fiction-Performance-Zyklus, ihre eigenen Arbeiten finden stets in Auseinandersetzung und Inbezugnahme der sie umgebenden Räume statt und werden in DIY-, genauso wie Kunstkontexten präsentiert.
Sie veröffentlichten Tonträger auf internationalen Labels (u.a. Music Airport/Tokyo, Fettkakao/Wien, Zeitstrafe/Hamburg, Staatsakt/Berlin). Konzerttourneen führen sie quer durch Europa, Israel und Japan.
Gemeinsam mit Benjamin Bascom betreiben sie seit 2015 ein Kassettenlabel für experimentelle, elektronische Tanzmusik namens MMODEMM und veranstalten Parties und Konzertreihen in Frankfurt a.M. (1,2 Piecefest, Der Geheime Salon, Office du Pain).

Nach ihren Eskapaden in Theater und Performance und diversen Soloprojekten beehren Les Trucs die Welt mit neu erlerntem Wissen und Fähigkeiten wieder mit ihren konzertanten Interventionen.
Mit dem Musiktheaterstück „Der Fleischgarten“ (Mousonturm Frankfurt) und einem neuen Album namens „Jardin du Bœuf“ als Initial, schlagen die Frankfurter_innen ab Mai 2018 die Schlacht um die Deutungshohheit über den menschlichen Körper als musikalisches Happening.

Les Trucs sind einfach einzigartig und nach ihrer großartigen Live-Vertonung von „Der letze Mann“ von Murnau in 2016 endlich wieder bei uns zu Gast! Wieder in Koop mit den Artists Unlimited!

http://www.lestrucs.org/

 

 

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