Unsere Filme im März - Verfolgt!
Die Nacht des Jägers
22.03.

„It’s a hard world for little things“. Miss Rachel Cooper (Lillian Gish)

West Virginia während der Großen Depression: Reverend Harry Powell (Robert Mitchum), charismatischer Wanderprediger, psychopathischer Frauenmörder und wegen Autoklau vorübergehend im Gefängnis, trifft dort auf den zum Tode verurteilten Ben Harper. Um seine Familie über Wasser zu halten, hatte der eine Bank überfallen und dabei zwei Menschen erschossen; die Beute aber blieb verschwunden. Im Schlaf verrät Harper, dass seine Kinder, Pearl und John, deren Versteck kennen. Nach seiner Entlassung macht sich Powell auf zur Familie Harpers. Er umgarnt Harpers junge Witwe (Shelley Winters) und die ganze dörfliche Gemeinde. Nur John misstraut ihm. Als die Kinder fliehen müssen, setzt sich der Jäger auf ihre Spur.

Es ist eine Ironie der Filmgeschichte, dass „The Night of the Hunter“ die einzige Regiearbeit des gefeierten britisch-amerikanischen Film- und Bühnenschauspielers Charles Laughton bleiben sollte. Heute gilt der Film mit der düster-romantischen Atmosphäre eines frühen Nick Cave-Albums als Meisterwerk; so rangiert er auf Platz 2 der „Schönsten Filme der Welt“ (Cahiers du Cinéma). Seine Bilder wurden mit den Scherenschnitt-Märchenfilmen der Animationsfilmpionierin Lotte Reiniger und dem Expressionismus der ersten Blüte des Kinos verglichen; letzteres wird noch unterstrichen durch das Mitwirken von Stummfilmlegende Lillian Gish. Allem voran macht jedoch Robert Mitchum als sinistrer Reverend mitsamt seinem hypnotischen Gesang diesen Film unvergesslich. Auch Roger Ebert schrieb 1996: „It is one of the most frightening of movies, with one of the most unforgettable of villains, and on both of those scores, it holds up … well after four decades“.

Die Nacht des Jägers Still
Amateur
29.03.

Hal Hartley, US-amerikanischer Filmregisseur/Drehbuchautor/Produzent/Komponist, wurde zu einer Schlüsselfigur des amerikanischen Independent-Films der 1980er und 1990er Jahre. Die Idee zu „Amateur“ entstand wohl auf Promo-Tour durch Europa, auf der Hartley, etwas ermüdet und nach einem Gläschen zu viel, ein Bild von einem Mann in den Sinn kommt, der auf der Straße liegt, aufwacht und sein Gedächtnis verloren hat. Dies müsse die vollkommene Freiheit sein, Freiheit von jeder Vergangenheit und Verantwortung, mit der Möglichkeit noch einmal von vorn anfangen können. Wieder nüchtern, bemerkt Hartley, wie unrealistisch dieser Wunsch ist, und macht einen Film daraus. Im Film wird die Idee folgendermaßen weitergesponnen: Der Mann (Martin Donovan) liegt bewusstlos auf der Straße und wird von einer schwarzhaarigen Frau (Elina Löwensohn), die offensichtlich mit dem Sturz des Mannes zu tun hat, einfach dort liegen gelassen. Nachdem er aufgewacht ist, trifft er in einem Café auf Isabelle (Isabelle Huppert), eine ehemalige Nonne, die sich nun in pornographischer Literatur versucht. Sie nimmt ihn bei sich auf, um ihm dabei zu helfen, seine Amnesie zu überwinden und seine Identität herauszufinden. Unterdessen gerät die schwarzhaarige Frau in große Schwierigkeiten: Auf sie wurden Killer angesetzt, da sie versucht hat, einen zwielichtigen Geschäftsmann zu erpressen, was wiederum mit dem unter Amnesie leidenden Mann in Verbindung steht. Dann trifft sie auf Isabelle und den „Unbekannten“…

„Amateur“ ist eine originelle Mischung aus Romanze, Groteske und Gangsterdrama. In einer verkommenen Welt voller Schurken geht es um Verrat und Erlösung. Hal Hartley schuf diesen ebenso skurrilen wie melancholischen Film, in dem er mit viel Witz Versatzstücke des film noir sarkastisch verfremdet“ Dieter Wunderlich.

Amateur Still
Unsere Filme im April - Wasser
Der weiße Hai
05.04.

Lester J. Keyser schreibt in seinem Buch „Hollywood in the Seventies“, dass die ersten Sequenzen des Films eine ähnliche Wirkung haben, wie z.B. die Duschszene in „Psycho“. Sie gehen einer ganzen Generation nicht mehr aus dem Kopf. So oder ganz ähnlich ergeht es mir, wenn ich das Filmplakat sehe oder zu Hause die Schallplatte zum Score auflegen. Ein Film der, unterstützt von einem wahnsinnigen Soundtrack, die Spannungen rauf und runter manövriert, nur um bereits den nächsten dramaturgischen Höhepunkt vorzubereiten. Trotz seiner einfach gestrickten Geschichte, ist es ein Film der auf verschiedenen Ebenen lesbar ist. Georg Seeßlen schrieb wie folgt: „Wenn Der weiße Hai so etwas wie ein Passepartout für die Ängste der 70er Jahre war, von den puritanischen Sex-Ängsten bis zum Krieg in Vietnam, dann waren seine Helden Modelle der verletzten amerikanischen Männlichkeit, die sich in einer Situation der Bewährung zusammenfinden„.

Es war einer der letzten Filme, in denen pneumatische Schläuche, Elektromotoren, Kompressoren etc. vonnöten waren, um „Bruce“, wie das Filmteam das Modell des weißen Hais liebevoll taufte, „lebendig“ werden zu lassen. Ende der 1970er setzten sich die Computeranimationen durch. Um so passender ist es, unseren 35mm-Projektor anzuschmeißen und die letzte offizielle 35mm-Kopie in der deutschen Fassung spielen zu können.

Für die Filmmusik bekam John Williams 1976 den Oscar. Weitere Oscars erhielt der Film für die Beste Tonmischung und den Besten Schnitt. Somit bekam „Der weiße Hai“ insgesamt drei Oscars, einen Golden Globe und einen Grammy.
Der Film wurde vom „American Film Institute“ in der Liste der 100 besten Filme aller Zeiten im Jahr 1998 auf Platz 48 gewählt, in der Liste der 100 besten Thriller aller Zeiten befindet sich der Film auf dem zweiten Platz, die Filmmusik nimmt den sechsten Platz in der Liste der 25 besten Filmmusiken aller Zeiten ein.

Der weiße Hai Still
Pauline am Strand
12.04.

Die Wahrhaftigkeit kommt aus den Bildern und nicht aus der Montage.“ Éric Rohmer

„Pauline am Strand“ ist Rohmers dritter Film seines zweiten Filmzyklus „Sprichwörter und Komödien“. Vorangestellt ist hier das Sprichwort „Wer zu viel redet, verliert sich selbst„. Rohmer entführt uns an die französische Atlantikküste. Dort verbringt Pauline mit ihrer großen Cousine Marion ihre Sommerferien. Während Marion sich erhofft, ihre gescheiterte Ehe zu vergessen, wünscht sich Pauline, endlich erste Erfahrungen in puncto Liebe zu sammeln.

Der Film ist wie ein Lustspiel inszeniert. Hier wird keine große Geschichte erzählt, sondern die Protagonist_innen bewegen sich wie Federn im Wind von einem Gespräch zum anderen. Dabei schafft es Rohmer auf beeindruckende Weise, zwischenmenschliche Gefühlslabyrinthe zu skizzieren. Der Kameramann Néstor Almendros fängt die dazugehörigen Bilder auf betörende Weise ein, und verleiht dem Film eine geschmeidige Gelassenheit.

Éric Rohmer gewann für „Pauline am Strand“ einen silbernen Bären als Bester Regisseur, den FIPRESCI-Preis der internationalen Filmkritik und den Preis der französischen Filmkritik.

Ein federleicht scheinendes, aber präzise und scharfsinnig inszeniertes Spiel um Rollenmuster, trügerische Verhaltensweisen und den alltäglichen Widerspruch zwischen Reden und Handeln – trotz seines Dialogreichtums spannend und erheiternd“ Lexikon des internationalen Films.

Pauline am Strand Still
Whale Rider
19.04.

Der Film der neuseeländischen Regisseurin Niki Caro erzählt die Geschichte von Paikea („Pai“), Enkelin des Maori-Häuptlings Koro, die sich in ihrem Anspruch auf die traditionell männlich besetzte Führungsrolle gegen ihren geliebten Großvater auflehnt. Andreas Busche, FAZ: „Drei Maori-Generationen finden sich in ‚Whale Rider‘ gefangen im ewigen Widerspruch von Tradition und Moderne, und wie … in Lee Tamahoris ‚Die letzte Kriegerin‘ [‚Once Were Warriors‘, 1994] sind es auch in diesem neuseeländischen Film die Frauen, die den Wandel vollziehen müssen. Nach dem Tod seines einzigen Enkels sieht Pais Großvater Koro die lange Linie von Maori-Führern, ausgehend vom sagenhaften Paikea, dem ‚Whale Rider‘, in seiner Enkeltochter enden – unfähig zu erkennen, dass das junge Mädchen dazu bestimmt ist, ihr Volk aus dem drohenden Identitätsverlust zu führen. In der Rolle der Pai strahlt Keisha Castle-Hughes eine stolze, unverwüstliche Gelassenheit aus, die nur in kurzen Momenten von der Trauer über die vehemente Zurückweisung überschattet wird. ‚Whale Rider‘ ist ein kleines Kino-Wunder, dessen Ende sich jeder rationalen Erklärung widersetzt. Ein Film, der getragen wird vom ruhigen Fluss der Bilder, in dem der Mythos ganz selbstverständlich die raue Wirklichkeit durchdringt„.

Ihr Filmdebüt brachte der zwölfjährigen Keisha Castle-Hughes eine Academy Award-Nominierung ein; einem heutigen Publikum ist sie vielleicht auch bekannt als Obara Sand in „Game of Thrones“. „Whale Rider“ wurde auf mehreren Festivals ausgezeichnet, u.a. Sundance, Toronto, Rotterdam. Den Soundtrack steuerte niemand Geringeres als Lisa Gerrard bei, australische Musikerin, Filmmusikkomponistin und die weibliche Hälfte des Post-Punk/Ethno Gothic-Duos „Dead Can Dance“.
„Whale Rider“ ist auch für junge Zuschauer_innen geeignet.

Whale Rider Still
Und dann der Regen
26.04.

Im Mittelpunkt des Spielfilms der spanischen Regisseurin Icíar Bollaín („El Olivo“, „Yuli“) steht das Filmprojekt einer spanisch-mexikanischen Crew. Deren Ziel ist es, ein markantes Kapitel lateinamerikanischer Kolonialgeschichte kritisch aufzuarbeiten – einen gescheiterten Aufstand der Taínos/as gegen europäische Usurpation im Kuba des frühen 16. Jahrhunderts. Aus Kosten- und politischen Gründen finden jedoch die Dreharbeiten im bolivianischen Hochland statt, dies unter Mitwirken der zumeist indigenen Bevölkerung. Doch die hat mit dem drohenden Verkauf staatlicher Wasserressourcen an einen internationalen Multikonzern ganz andere Sorgen. Und zusehends wird es auch für die Fremden schwierig, sich dem aktuellen Zeitgeschehen zu entziehen.
„También la lluvia“ ist angelehnt an den historischen „Wasserkrieg“ („la guerra del aqua“), der sich von 1999 bis 2000 in Protesten und zeitweise bürgerkriegsähnlichen Zuständen äußerte, die sich der bolivianischen Provinzhauptstadt Cochabamba abspielten und mehrere Todesopfer forderten.

Andreas Fanizadeh (taz) bezeichnet den Film als „eine geschickt inszenierte Auseinandersetzung um die Aktualität kolonialer Mythen und die Realität heutiger gesellschaftlicher Kämpfe“ – eine nämlich, die „ihren Reiz durch die spielerische Verknüpfung der verschiedenen Zeit- und Realitätsebenen“ bezieht: „Bollaín lässt den Film im Film immer stärker mit der Umgebung kollidieren: [Regisseur] Sebastián (Gael García Bernal) will die Geschichte des Kolonialismus kritisch reflektieren, während seine Laiendarsteller und damit sein beabsichtigter Historienschinken immer stärker in den realen Aufstand involviert werden„.

„También la lluvia“ wurde auf der Berlinale 2011 mit dem Panorama-Publikumspreis in der Kategorie Spielfilm ausgezeichnet. Außerdem wurde er in dreizehn Kategorien für den spanischen Goya nominiert und erhielt derer drei. U.a. wurde in der Sparte „Bester Nebenschauspieler“ Karra Elejalde ausgezeichnet, der den Schauspieler Antón und im fiktiven Film Kolumbus verkörpert.

Und dann der Regen Still