Herbst der Gammler
Herbst der Gammler Still

Mit seinem ersten Langfilm behandelt Fleischmann die Subkultur der „Gammler“ in München. So wie die „Halbstarken“ ein Jahrzehnt zuvor wurden die „Gammler“, die sich den bürgerlichen Erwartungen von Arbeit und Familie widersetzten, zum Inbegriff der jugendlichen Gegenkultur in Westdeutschland. Zur Veröffentlichung erregte der Film einiges Aufsehen, da er schonungslos einen Generationenkonflikt aufzeigte. Dabei kommen einige heftige Konfrontationen zwischen den jungen „Gammlern“ und den alten Bürgerlichen zustande, die davon zeugen, dass in den 1960er Jahren Ansichten der Nazi-Zeit von Arbeitspflicht und Demokratieverachtung noch immer in der Bevölkerung verbreitet waren. Der Geist der heraufziehenden Proteste der Studierenden von 1968 ist im Film schon gegenwärtig.

Herbst der Gammler, ein behutsamer, am Cinéma Vérité orientierter Fernseh-Dokumentarfilm, der die verhärteten Fronten auf offener Straße miteinander konfrontiert. Münchner Kleinbürger und Arbeiter entpuppen sich dabei als Träger einer aus dem „Dritten Reich“ überwinterten Ausmerzungsideologie und -rhetorik, deren Vehemenz und Eindeutigkeit mit der holprigen Artikulationsweise und den oft diffusen Sehnsüchten der Langhaarigen in hartem Kontrast steht. Bemerkenswert ist Herbst der Gammler jedoch nicht nur als Zeitdokument, sondern auch als Studie jugendlich unbeholfener Ausdrucksweisen in Sprache und Mimik.“ Deutsches Historisches Museum

(Textverantwortlicher: JR)