Rote Sonne (+ Vorfilm: Stars)
Rote Sonne (+ Vorfilm: Stars) Still

Nach fünf Tagen muss er tot sein. Sonst wird es gefährlich, man verliebt sich.“ Peggy

Peggy, Sylvie, Isolde und Christine bewohnen gemeinsam eine Münchner Altbauwohnung. Ihre Frauen-WG lebt nach besonderen Regeln: Nur fünf Tage dürfen die Mitbewohnerinnen Männer zum Sex und andere Vergnügungen nutzen, danach müssen ihre Lustobjekte getötet werden. Nichtsahnend kommt Thomas, ein alter Bekannter Peggys, aus Hamburg in die WG und quartiert sich vorerst dort ein. Nach und nach entdeckt er die Vorgehensweise der Frauen und überschreitet wissentlich seine fünf Tage, weil er Peggy nicht aufgeben will. Am Starnberger See kommt es schließlich zum Showdown…

(…) gelingt dem Film etwas, was einem halben Dutzend deutscher Filme der letzten Zeit mißungen ist: die Emanzipation der Frau nicht nur als Problem hinzustellen und qualvoll und theoretisch darzulegen, sondern augenfällig werden zu lassen. Weil der Film sich nie problematisch oder der Realität verpflichtet „Ernsthaftigkeit“ aufbringen will, sondern ständig unkompliziert seine eigene überdrehte Geschichte präsentiert, bringt er es fertig, mehr Realität spürbar zu machen und mehr von der generation, die er repräsentiert, zu zeigen als alle anderen Filme vor ihm. Rote Sonne ist ein Film, von dem man kaum glauben kann, daß er in Deutschland gedreht worden ist. Und solche Dialoge hat man im Kino bislang nur von Howard Hawks gehört. Uschi Obermeier bewegt sich mit einer Sicherheit von Jane Fonda. Und Marquard Bohm ist nur etwas verschlafener als Jean-Paul Belmondo.“ Gutachten von Wim Wenders für die Filmbewertungsstelle, 1969

(Textverantwortlicher: JU)


Als Vorfilm zeigen wir „Stars“, Regie: Jürgen Böttcher (DDR 1963, DCP, 20 Min., s/w, Dokumentarfilm)

Stars sind für den Regisseur die Frauen aus einer Brigade des Berliner Glühlampenwerks. An ihnen, die tagtäglich eine monotone Arbeit leisten, entdeckt er die Schönheit, das Besondere, den Glanz von Sternen. Schön sind für ihn ihre Schlagfertigkeit, ihre bei aller Belastung durch Arbeit und Familie erkennbare Heiterkeit, ihre Freundlichkeit und Solidarität. […] Er zeigt die Offenheit, mit der die Frauen über die Arbeit und über ihre persönlichen Probleme reden. Und er zeigt die Grenzen der Offenheit […] Ein Film zwischen Mauerbau und 11. Plenum. In ‚Stars‘ setzt Böttcher die bisher praktizierte Dramaturgie der Entwicklung aus äußerer Spannung zwischen Menschen und aktionsreichem Ereignis außer Kraft. Dafür stellt er eine innere Spannung her, die sich aus der Einfühlung des Zuschauers entwickelt.“ Hans-Jürgen Brandt/Viennale 2002

(Textverantwortliche: AR) ᨐ ∫